"Hallo, hallo, hier Radio Wien auf Welle 530": Diese historischen Worte markieren den Beginn der österreichischen Radiogeschichte. 80 Jahre feiert der Hörfunk in Österreich morgen. So skurril ein Blick auf die Frühphase des Mediums in Österreich anmuten mag: Manches, wie etwa die Jagd auf Schwarzhörer, ändert sich nie.

Am Anfang waren die Piraten: Radio Hekaphon sendete bereits 1923, ganz ohne staatliche Konzession. Empfangsgeräte waren indes noch spärlich gesät, man traf sich zu öffentlichen Vorführungen der "Radiophonie". Im Sommer 1924 wurde schließlich ein Radiogesetz beschlossen, das die Basis für den legalen Betrieb der RAVAG darstellte. Diese startete nach dem "Hallo, hallo" mit zahlreichen Politikerreden und einem Wagner-Konzert.

Rasch wachsende Hörerschaft

Die Sendungen fanden eine rasch wachsende Hörerschaft. Schon damals musste sich das Unternehmen mit Schwarzhörern herumschlagen. 11.000 angemeldete Teilnehmer gab es zum Start, bereits 100.000 im Jahr 1925, doch eine hohe Dunkelziffer hörte, ohne zu zahlen. Ein Problem, das der ORF-Gebührentochter GIS bis heute Arbeit verschafft.

Eckpfeiler des Programms

Musik, Literatur, Wissenschaft waren von Anfang an die Eckpfeiler des Radioprogramms. Werbung gab es zu Beginn nicht: Der zuständige Bundesminister befand, dass "derartige Reklamen ohne Störung" des Programms nicht möglich seien. Ab 1933 hatte man in der RAVAG auch ganz andere Sorgen: Die innenpolitischen Entwicklungen setzten die Programm-Macher unter Druck. 1934 stürmten 14 Austro-Faschisten die RAVAG und zwangen den Sprecher zur Verlautbarung des Rücktritts der Regierung Dollfuß. Am 11. März 1938 schließlich verabschiedete sich Schuschnigg mit "Gott schütze Österreich" via Radio von der Bevölkerung. Ein Beispiel dafür, wie Radioübertragungen Geschichte machen und ins kollektive Gedächtnis eingehen.

Nach dem "Anschluss" 1939 wurde der Radiobetrieb in das "Ostmärkische Rundfunkwesen" eingegliedert, zugleich der Tatbestand des "Rundfunkverbrechens" (Hören ausländischer Sender) eingeführt. Im Radio tobte ein regelrechter Propagandakrieg. 1944 führte der Reichssender Wien den "Kuckuck" ein, dessen Ruf vor nahenden Bombengeschwadern warnte und viele Zeitzeugen heute noch in Schrecken versetzt. Am 6. April 1945 schließlich gab es die letzte Sendung des Reichssenders Wien.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem Zweiten Weltkrieg war auch im österreichischen Radio Wiederaufbau nötig. Das Sagen hatten indes vorerst die Besatzungsmächte. Die ehemalige RAVAG lag in der russischen Besatzungszone, die USA konterten mit ihrem Sender Rot-Weiß-Rot. Dort waren 1948 auch erste Werbesendungen zu hören. 1953 markierte eine Wende: das Ende der Zensur, und der offizielle Name "Österreichischer Rundfunk". 1957 schließlich wurde die "Österreichische Rundfunkgesellschaft m. b. H." gegründet. Da hatte das Radio bereits seinen 30er überschritten und mit dem Fernsehen eine neue Konkurrenz erhalten.

Die Rundfunkreform von 1967, basierend auf dem Volksbegehren von 1964, markierte eine historische Wende. Gerd Bacher wurde Generalintendant und führte die "Strukturprogramme" (statt Mischprogrammen) Ö1, Ö-Regional und Ö3 ein. Auch eine "Informationsexplosion" kam 1967, etwa mit den "Journalen", die bis heute auf Ö1 zu hören sind. Der vierte Sender, Blue Danube Radio (seit 2000: FM 4) für die internationale Gemeinschaft, ging 1979 auf Sendung.

So sehr die ORF-Radios florierten: Ein Blick ins Ausland musste irgendwann klar machen, dass privater Rundfunk hier nicht vorhanden war. Erste Debatten darüber gab es in den 80er Jahren. Gesetzliche Rahmenbedingungen traten 1994 in Kraft, 1995 wurden erste Lizenzen vergeben. Die Bewerber konnten aber großteils nicht auf Sendung gehen, da der Verfassungsgerichtshof das Gesetz teilweise aufhob. Lediglich Antenne Steiermark konnte im August 1995 als erstes Privatradio auf Sendung gehen, gefolgt vom Salzburger Radio Melody im Oktober desselben Jahres. Das Regionalradiogesetz musste indes noch mehrmals repariert werden. 1998 brachte immerhin den Start von 16 Privatradios. Heute senden laut Medienbehörde KommAustria mehr als 60 Private. an. si.