Die "Wiener Zeitung" ist die älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt: Am 8. August 1703 wurde sie als "Wiennerisches Diarium" gegründet. Laut Schiessl sei das besondere an der "Wiener Zeitung" nicht nur die lange Zeit ihres Bestehens, sondern vielmehr der Grundkonsens zwischen Journalismus und Verlag auf der einen und den Staatsorganen auf der anderen Seite.

"Das Verhältnis Staatsmacht und ,Wiener Zeitung' hat von Beginn an auf hundertprozentiger Seriosität basiert. Unsere Vorgänger haben seit 1703 auf so manche Darstellung verzichtet, die nicht eindeutig authentisch war, sich so manchen Kommentars enthalten, der nicht allen möglichen Aspekten gerecht wurde und Spekulationen strikt vermieden. Umgekehrt konnten alle Betroffenen - unabhängig ob Politiker, Beamte oder betroffene Bürger sich darauf verlassen, dass

alles, was in der ,Wiener Zeitung' steht, auch tatsächlich gilt bzw. Faktum ist", so Schiessl. Bundespräsident Thomas Klestil spricht in einer Grußadresse denn auch von einer "treuen Chronistin und unverzichtbaren Wegbegleiterin" Österreichs.

Trotz des umfangreichen Blicks in die Vergangenheit denkt man bei der "Wiener Zeitung" aber auch ans Morgen.

"Für die Zukunft werden täglich Weichen gestellt. Wir bemühen uns, eine moderne Zeitung zu machen und nicht bloß ein Amtsblatt", sagte Geschäftsführer Schiessl. Man bemühe sich auch, neue Dienste "in Richtung Multimedialität" anzubieten. So wird es etwa ab Juli alle Bundesgesetzblätter zurückreichend bis 1945 in digitaler Form geben. Darüber wurde die "Staats-Plattform" http://www.oesterreich.at geschaffen und befindet sich im ständigen Ausbau. Dort wird "ganz Österreich, das offizielle und das halboffizielle" abgebildet. Schiessl bot der Bundesregierung an, über diese Plattform künftig auch das "E-Government" abzuwickeln.