"Du kannst alles schaffen, du musst es nur wollen!" Es sind große Versprechen, die der American Dream neben sich her schleift. Immerhin steht der "Pursuit of Happiness", das "Streben nach Glück", als unveräußerliches Recht in der US-amerikanischen Verfassung. Wobei der Glücksbegriff hier freilich eng mit sozialem und ökonomischem Aufstieg verwoben ist. Nicht umsonst wurde ausgerechnet das Bild des Tellerwäschers, der sich zum Millionär hochpoliert, zum Sinnbild dafür. Es geht um harte Arbeit, die sich vielleicht oder vielleicht auch nicht irgendwann auszahlen soll. Das Anzapfen der menschlichen Hoffnung, die äußerst effektiv zum bereitwilligen Malochen anspornt, ist aus wirtschaftspolitischer Sicht ein Kunstgriff. Aus sozialer Perspektive betrachtet, wird ihr zuversichtliches Lächeln schnell zur zynischen Grimasse.

Der Film "Das Streben nach Glück" (Sa., 20.15, ServusTV) zeigt deutlich, wie beschwerlich der Weg nach oben sein kann. Nachdem Chris Gardner (Will Smith) sich als Handelsvertreter für neuartige Knochendichtemessgeräte selbständig gemacht hat, schlägt ihm eine Welle an Widrigkeiten entgegen. Seine Frau (Thandie Newton) verlässt ihn und er übernimmt die Obhut für den gemeinsamen Sohn Christopher (Jaden Smith). Als Chris von einer freien Börsenmakler-Stelle erfährt, durchzuckt ihn zwar ein neuer Hoffnungsschimmer. Doch dafür muss er sich erst einmal in einem sechsmonatigen unbezahlten Praktikum gegen andere Bewerber durchsetzen.

Um seinen Sohn und sich währenddessen über Wasser zu halten, arbeitet er nebenher weiterhin als Vertreter. Die Miete geht sich finanziell bald nicht mehr aus; Vater und Sohn müssen von der Wohnung ins Hotel und vom Hotel schließlich auf die Straße. Der Film beruht auf einer wahren Biografie. Tatsächlich lebte der Börsenmakler Chris Gardner mit seinem Sohn - der in der echten Geschichte allerdings erst im Säuglingsalter war - ein Jahr lang auf der Straße. Obwohl mit dem endlich erreichten Glück meist die Freude Hand in Hand geht, hat es auch Joy (Jennifer Lawrence) in "Joy - Alles außer gewöhnlich" (Sa., 20.15, ORFeins) alles andere als leicht mit ihrer Happiness. Das hochkarätig besetzte Biopic erzählt die ebenfalls wahre Erfolgsgeschichte von Joy Mangano, die mittlerweile als eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen der Vereinigten Staaten gilt. Sie entwickelt einen neuartigen Mopp, der ohne das Auswringen des Schmutzwassers per Hand auskommt.

Der Weg vom selbstgebastelten Wischmopp zum Millionenimperium ist allerdings gepflastert von großen Hürden. Scheint der Durchbruch zum Greifen nah, als Joys Erfindung über den Homeshopping-Sender von Neil Walker (Bradley Cooper) schlagartig zum Verkaufshit wird, folgt auch schon ein Abwärtsstrudel an finanziellen und juristischen Verstrickungen. Schließlich holt die alleinerziehende Mutter mit aller Kraft zu einem letzten Befreiungsschlag aus.

Nicht nur in den USA lockt die Hoffnung auf finanzielle Unabhängigkeit. In der Verfilmung von Wladimir Kaminers autobiografischem Kurzgeschichtenband "Russendisko" (So., 13.35, ATV) träumen die drei Russen Wladimir (Matthias Schweighöfer), Mischa (Friedrich Mücke) und Andrej (Christian Friedel) von einem besseren Leben im Goldenen Westen und versuchen ihr Glück kurz nach der Wende im wiedervereinten Berlin. Mit Straßenmusik und dem Verkauf von Dosenbier kommen sie über die Runden. Vorerst. Denn auch hier setzt der ersehnte Höhenflug zum Tiefschlag an. Mischas Visum läuft ab und die drei müssen zunächst untertauchen. Als er dank eines unkonventionellen Kunstgriffs doch noch seine Aufenthaltsgenehmigung erhält, starten Mischa und seine beiden Wegbegleiter endlich mit einer eigenen Diskothek durch.

Letztlich wendet sich das erbitterte Kämpfen um den großen Durchbruch auf der Leinwand fast immer zum Guten. Allerdings verbirgt sich dahinter die Krux, die mit der Philosophie des amerikanischen Traums einhergeht: Hinter dem Mantra, dass man wirklich alles erreichen kann, wenn man es nur will und hart genug dafür arbeitet, liegt zugleich der zynische Subtext, nicht alles gegeben zu haben, wenn das Unterfangen aus diversen Gründen in die Binsen geht. Oder man hat es eben nicht genug gewollt. Wer scheitert, ist selber schuld.