Wien. Krimis sind in Österreich immer noch ein Zugpferd, wie auch der "Tatort" fast jede Woche beweist. Da will der heimische Privatsender Puls4 nicht nachstehen und hat sich für sein erstes eigenproduziertes Krimiformat "Prost Mortem" nicht nur mit dem Pay-TV-Sender 13th Street zusammengespannt, sondern versammelt auch Stars wie Simon Schwarz, Elke Winkens und Doris Kunstmann vor der Kamera. Seit Montag laufen die Dreharbeiten in Wien - in einem verlassenen Beisl als Tatort.

Die Vorgabe von Senderseite war, ein Krimikammerspiel mit weiblicher Hauptfigur zu entwickeln - und das in relativ kurzer Zeit. Das junge Team um Regisseur Michael Podogil nahm diese Herausforderung an. Ab November setzte sich Podogil mit Kompagnon Michael Writze an das Drehbuch. Angesichts des Zeitdrucks wurde parallel geschrieben, gecastet, Location gesucht. "Als wir das leere Wirtshaus gefunden hatten, ist mir der größte Stein vom Herzen gefallen", erinnert sich Produktionsleiter Lukas Zweng. Die vor der Generalsanierung stehende Immobilie im 15. Gemeindebezirk dient nun für 15 kompakte Drehtage als Krimischauplatz und verströmt dabei mit originaler Patina den Charme der Authentizität.

Hauptfigur der vier Episoden - deren genaues Sendeformat noch offen ist - ist die aus Hamburg stammende Beislwirtin Gitti (Doris Kunstmann), die auf eigene Faust den Mord an ihrem Ehemann aufklären will, nachdem die Polizei diesen als Selbstmord abtut. Dazu versammelt sie jene Gäste ihres Lokals "Bierkavalier", die als Mörder infrage kommen, im klassischer Hercule-Poirot-Manier zu einer letzten Runde. "Gitti ist ganz geradeheraus - wir wollen es ein bisschen hamburgisch anlegen", zeigte sich Kunstmann vom Humor des Scripts angetan. Die gute Stimmung beim Dreh sei daneben nicht zuletzt dem jungen Team zu verdanken, ist die 74-Jährige überzeugt: "Alle sind so liebenswürdig - das kennt man heute gar nicht mehr!" Zugleich werde sehr effizient gearbeitet: "Es läuft hier flockig."

Alle sind verdächtig!

Kinostar Simon Schwarz spielt den potenziellen Mörder und Stammgast Bernie. Ob er der Mörder in dem klassischen Whodunit-Format ist, möchte Schwarz selbstredend noch nicht verraten: "Er ist verdächtig - weil hier einfach alle verdächtig sind." In jedem Falle sei er angetan von der Kompaktheit des Projekts. Der komplette Fokus auf einen Drehort in Form eines Kammerspiels sei ein echter Glücksfall, aber eben auch eine Ausnahme.

Hinzu komme die Arbeit mit dem Team um Michael Podogil: "Wichtig ist für mich, dass der Regisseur weiß, was er will. Und das ist bei diesem Projekt der Fall." Dass das Drehbuch anfangs noch gar nicht finalisiert, sondern gleichsam ein "Rohdiamant" gewesen sei, habe ihn nicht gestört - im Gegenteil: "Für mich ist nicht entscheidend, ob ein Drehbuch fertig ist. Ich will ja nichts nachspielen, sondern Teil eines Teams sein, an einem Prozess mitwirken." Man dürfe einen Schauspieler nie auf das Textlernen reduzieren - das sei der geringste Teil des Berufs.

Die Tonalität von "Prost Mortem" soll jedenfalls ungeachtet der tragischen Umstände für die Hauptfigur durchaus humorvoll sein, macht Regisseur Podogil deutlich: "Lustig ist ja nicht, dass jemand auf einer Bananenschale ausrutscht, sondern dass er dabei versucht, seine Würde zu bewahren." Und hier sei Wirtin Gitti, deren große Liebe ermordet wird, ein Paradebeispiel. Humor soll der Vierteiler überdies daraus beziehen, dass im nicht verorteten "Bierkavalier" deutsche und österreichische Charaktere samt etwaiger Sprachschwierigkeiten aufeinandertreffen.

Beim Gesamtprojekt sei durchaus die legendäre Figur der Miss Marple eine gewisse Inspiration gewesen, unterstreicht Executive Producer Karin Schrader. Auf deren deutschem Pay-TV-Sender 13th Street wird "Prost Mortem" zunächst Premiere feiern, rund einen Monat darauf, gegen Ende des Jahres, dann auf Puls4. Fortsetzung folgt vielleicht.