Gütersloh. Im Ringen mit Netflix will der europäische Fernsehkonzern RTL den Ausbau seiner deutschen Online-Videoangebote vorerst im Alleingang vorantreiben. Die vom Rivalen ProSiebenSat1 angebotene Zusammenarbeit sei derzeit keine Option, sagte RTL-Konzernchef Bert Habets. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das als selbständige Einheit entwickeln können, die erfolgreich Wachstum und Größenvorteile erreicht", sagte der Chef der Bertelsmann-Tochter. "Wir wollen in jedem unserer Märkte unter den größten drei Streaming-Plattformen sein."

ProSiebenSat1 will seine Kräfte mit dem ZDF und weiteren Partnern vereinen, um sich gegen die übermächtigen US-Anbieter Netflix und Amazon Prime zu behaupten. Vor allem die jüngere Generation nutzt zunehmend Online-Videos, statt fernzusehen. Habets machte deutlich, dass RTL nach seiner Einschätzung bei einem gemeinsamen Projekt zu viel Zeit verlieren würde. "Das sind komplexe Verhandlungen. Da müssen eine Menge Bestandteile verhandelt werden." In Frankreich hingegen hat RTL eine gemeinsame Videoplattform mit den Rivalen TF1 und France Television angekündigt.

Inhalte aller Genres

Habets kündigte an, die RTL Group werde in den kommenden drei Jahren mindestens 350 Millionen Euro zusätzlich in den Ausbau seiner Streaming-Dienste investieren. Davon werde der Konzern 300 Millionen Euro für Inhalte aller Genres ausgeben. Das werde die Gewinne nur begrenzt belasten, weil sich RTL von der Verzahnung der Videoangebote erhebliche zusätzliche Umsätze verspreche. "Mit anderen Worten: Wir werden weiterhin hohe Gewinnmargen erzielen", kündigte Habets an. ProSiebenSat1 dagegen erwartet, dass seine Investitionen die Profitabilität schmälern. Beide Konzerne setzen im Online-Videogeschäft auf maßgeschneiderte Inhalte für das nationale Publikum, um sich von den global agierenden US-Videoplattformen abzugrenzen.

2018 ging der Gewinn von RTL trotz eines leichten Umsatzanstiegs erwartungsgemäß zurück. Wegen eines positiven Sondereffekts ein Jahr zuvor schrumpfte das Betriebsergebnis (Ebitda) um 5,7 Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Wenn man die Sondererlöse aus dem Verkauf eines Gebäudes im Vergleichsjahr 2017 herausrechnet, ergibt sich dagegen nach Konzernangaben für 2018 ein Ergebnisanstieg um 0,7 Prozent. Der Umsatz kletterte um 2,1 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro.