Bratislava. Im Fall des ermordeten Journalisten Jan Kuciak und seiner Partnerin gibt es offenbar dringend tatverdächtige Hintermänner: Der slowakische Geschäftsmann und Multimillionär Marian K. wird von den Ermittlern beschuldigt, die Ermordung des Journalisten im Februar 2018 angeordnet zu haben. Wie die Staatsanwaltschaft in Bratislava am Donnerstag mitteilte, war der Mord durch die Recherchen des Investigativjournalisten motiviert.

Es gebe dafür einen objektiven Beweis, der derzeit aber nicht öffentlich gemacht werden dürfe. Der 55-Jährigen wird daher als Verdächtige geführt. ?Die Tatwaffe haben wir noch nicht gefunden, aber wir haben Belege dafür, um welche Art Waffe es sich handelt?, erklärte ein Sonderstaatsanwalt, dessen Name aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt wurde. Der 27-jährige Kuciak und seine Verlobte Martina Kusnirova waren zuhause in ihrem Dorf Velka Maca, 65 Kilometer östlich von Bratislava, erschossen worden. Der Reporter hatte zu Verbindungen zwischen der italienischen Mafia und slowakischen Politikern recherchiert. Sein unvollendeter Artikel wurde nach seinem Tod veröffentlicht. Auch mit betrügerischen Machenschaften im Zusammenhang mit EU-Fördergeldern für die Landwirtschaft sowie mit den Geschäften von Kocners zahlreichen Unternehmen hatte sich Kuciak befasst. Jan Kuciak hatte für das zum Medienkonzern Ringier Axel Springer Slovakia gehörende Internetportal ?Aktuality.sk? über Kontakte von slowakischen Regierungsmitarbeitern zu zwielichtigen Geschäftsleuten recherchiert.

Kuciaks Reportage über Verbindungen zwischen mutmaßlichen Angehörigen einer italienischen Mafia-Gruppe zu höchsten politischen Kreisen der Slowakei hatten im vergangenen Jahr Massenproteste ausgelöst. Daraufhin mussten der sozialdemokratische Regierungschef Robert Fico und mehrere Minister sowie der Polizeichef zurücktreten. Die Vertrauenskrise gegenüber der Politik sei durch diese personellen Wechsel aber noch nicht überwunden worden, betonte der parteilose slowakische Staatspräsident Andrej Kiska einer Rede.

Drohungen am Telefon

Bereits im September 2018 hatte die Polizei vier Tatverdächtige festgenommen, unter ihnen Kocners ehemalige Dolmetscherin. K. saß zu dieser Zeit bereits seit Juni 2018 wegen Betrugs im Gefängnis. Er hatte Kuciak überwachen lassen und bedrohte den Journalisten am Telefon, wie dessen ehemaliger Chefredakteur Peter Bardy im September 2017 erklärte. Kuciak meldete den Drohanruf auch umgehend bei den Behörden, es geschah jedoch nichts zu seinem Schutz. Medienberichten zufolge unterhielt K. Verbindungen zu Mitgliedern der sozialdemokratischen Regierungspartei Smer-SD, deren Vorsitzender weiterhin Fico ist.

Die Tat hatte auch international für große Empörung gesorgt. Wer die freien Medien attackiert, greift damit auch die Demokratie an, sagt etwa Valdo Lehari jr., Vizepräsident des Europäischen Zeitungsverlegerverbandes ENPA. Lehari war einer der Redner bei einer internationalen Konferenz zum Thema Pressefreiheit. Anlass war der Jahrestag des Mordes. Dass hochrangige Politiker mit öffentlichen verbalen Angriffen auf Journalisten ein Klima des Hasses verursacht hätten, habe den Weg zu der Gewalttat geebnet.