Sponsored Posts sind ein boomendes Geschäft. Laut der Agentur Mediakix werden Markenhersteller im kommenden Jahr fünf bis zehn Milliarden Dollar für Influencer-Marketing ausgeben. Zum Vergleich: 2015 lag das Marktvolumen bei 500 Millionen Dollar. Kinder spielen in der Vermarktungsstrategie von Konzernen eine zentrale Rolle.

Kritiker monieren jedoch, dass Kinder von ihren Eltern als Werbeträger instrumentalisiert würden. Die Kinder sind öffentliche Personen, ohne sich bewusst dazu entschieden zu haben. Und vielleicht bereuen sie später ihren Kindesruhm und fallen in Depressionen - so wie der Schauspieler Macaulay Culkin, der 1991 in der Komödie "Kevin - Allein zu Haus" zum Kinderstar wurde und später in tiefe Alkohol- und Drogenprobleme stürzte. Entsprechend merkwürdig wirkt es, wenn die Instagram-Mum Katie Bower sagt, sie werde ihren Zwillingen erst im Teenager-Alter Zugang zu den Accounts gewähren, um sie zu schützen. "Ich möchte, dass sie Kinder sind und sich um Spielen und Lernen anstatt um Social Media sorgen." Instagram verlangt von seinen Nutzern, dass sie mindestens 13 Jahre alt sind, um ein Konto zu erstellen. Die Accounts werden bis zum Erreichen dieses Alters treuhänderisch verwaltet.

Recht auf Privatsphäre

Eltern posten immer mehr Fotos ihrer Kinder. Im angelsächsischen Raum spricht man vom "Sharenting" (ein Kofferwort aus "share" für teilen und "parenting" für Erziehung). Zwischen dem Veröffentlichungsrecht der Eltern und dem Recht der Kinder auf Privatsphäre besteht ein Spannungsverhältnis. Eine Schülerin aus Österreich hat 2016 ihre Eltern verklagt, weil diese Fotos von ihr auf Facebook teilten. "Sie kannten keine Scham und keine Grenze. Ob ich auf dem Töpfchen saß oder nackt in meinem Kinderbettchen lag", sagte die Schülerin aus Kärnten einer Zeitschrift. Die französische Gendarmerie hat auf ihrem Facebook-Profil vor den Gefahren einer Veröffentlichung von Kinderfotos gewarnt.

Das berührt das wohl schwerwiegendste Problem der Kidfluencer: Pädophilie. Die frei zugänglichen Instagram-Fotos bilden einen schier unerschöpflichen Pool für Pädophile. Auf den Fotos sind die Kinderstars zum Teil leicht bekleidet im Badeanzug oder Bikini zu sehen. Kinderschänder können diese Fotos mit einem Mausklick einfach auf ihrem Rechner speichern und in ihren Communitys teilen - ohne, dass diese Praxis illegal wäre.

YouTube hat seit geraumer Zeit ein Problem mit Pädophilie und sexualisierten Kindervideos: Nutzer kommentieren Videoclips, in denen Kinder beim Turnen oder Spielen zu sehen sind, mit anzüglichen Bemerkungen. Werbekunden wie Disney, Nestlé und Dr. Oetker stornierten daraufhin ihre Anzeigen. Die Videoplattform reagierte vor wenigen Tagen auf die zunehmende Kritik und deaktivierte die entsprechende Kommentarfunktion.

Aus ethischer Sicht erscheint zudem höchst problematisch, dass selbst das Leben von ungeborenen Kindern kapitalisiert wird. Stellt Kidfluencing womöglich eine Form von Kinderarbeit dar? Nicht auszuschließen, dass die Kinderstars ihre Eltern in ein paar Jahren auf Entschädigung verklagen werden. Bei den Summen, die bei den Influencern im Spiel sind, werden sich Rechtsanwälte die Hände reiben. Samia Ali hat zwar viele Fans, aber dafür keine Kindheit.