Alles wird wieder gut. Oder es wird noch viel schlimmer. So könnte in etwa die Zwiesprache zwischen dem Utopie-Genre und seiner pessimistischen Schwester, der Dystopie, lauten. Sie ist zugleich die sanftmütigere Cousine der Apokalypse-Gattung. Denn im Unterschied zu ihr muss bei der Dystopie nicht erst die gesamte Erde, wie wir sie kennen, ihrem eigenen Boden gleichgemacht werden. Es reicht schon ein möglichst düsterer, desillusionierender Blick in die nahe oder ferne Zukunft, der sich in einigen Fällen sogar teilweise bewahrheitet. So fällt es etwa schwer, bei den "Telescreens", die die Menschen in George Orwells Roman "1984" permanent bespitzeln, nicht unsere heutigen Flatscreens, Tablets, Smartphones und das wachsende Gefühl der immer stärker zurückgedrängten Privatsphäre zu assoziieren.

In filmischen Dystopien der Marke Hollywood mündet die wenigversprechende Zukunft der Erde bevorzugt in archaische Gesellschaftsstrukturen, moralischen Verfall und ähnliche Verhältnisse, die verdächtig an den Hobbes’schen Naturzustand erinnern. Wer lieber mit dem Schlimmsten rechnet und in jeder Katze einen schwarzen Kater sieht, der findet dieses Wochenende im Fernsehprogramm genügend Bestätigung.

In "Die Bestimmung - Divergent" (Sa., 20.15, Sat1) ist die US-amerikanische Stadt Chicago vom Rest der Welt abgeschottet und setzt ihre Hoffnung in ein neues, totalitäres Gesellschaftssystem. Jeder Mensch wird ab dem 16. Lebensjahr einer von fünf Gruppen zugeteilt, die jeweils bestimmte Aufgaben und Berufe innerhalb der Kommune erfüllen. Ob man zu den selbstlosen Altruan, den furchtlosen Ferox, den intelligenten Ken, den gerechten Candor oder den friedfertigen Amite gehört, entscheidet sich nach Persönlichkeitsmerkmalen. Doch in jedem System gibt es Lücken: Bei ihrer Bestimmungszeremonie stellt sich heraus, dass die 16-jährige Beatrice "Tris" Prior (Shailene Woodley) mehreren Gruppen gleichermaßen entsprechen würde. Sie ist eine "Unbestimmte" und somit eine Bedrohung für das System. Um ihre unerwünschte Disposition zu verschleiern, schließt sie sich den wagemutigen Ferox an. Gemeinsam mit ihrem Verbündeten Tobias "Four" Eaton (Theo James) muss Tris eine weitreichende Verschwörung aufdecken, bevor aus Dystopie endgültig Apokalypse wird. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt.

Besonders, wenn die Dystopie als Fortsetzungsreihe auftritt. Das lässt zumindest darauf schließen, dass das Ende doch noch nicht so nah ist, wie gedacht. In der Fantasy-Serie "The Shannara Chronicles" nach den Romanen von Terry Brooks liegt der Untergang der gegenwärtigen Zivilisation etwa bereits tausende von Jahren zurück, und dennoch geht das Leben weiter. Doch schon die beiden Teile der ersten Episode "Die Erwählten" (Sa., 20.15, RTLII) deuten darauf hin, dass sich das bald ändern könnte: Der magische Baum Ellcrys, der seit Jahrhunderten die dämonische Armee des Dagda Mor in Schach hält, beginnt seine Blätter zu verlieren. Der Tod des Baumes würde das endgültige Ende der Welt bedeuten. Seine Rettung liegt in den Händen eines recht ungewöhnlichen Trios: Die Elfenprinzessin Amberle Elessedil (Poppy Drayton), der Halbelf Will Ohmsford (Austin Butler) und die Nomadin Eretria (Ivana Baquero) begeben sich zusammen auf eine abenteuerliche Reise, auf der Trolle und Gnome bei Weitem nicht das Schlimmste sind, das sich ihnen in den Weg stellt.

Auch in "Maze Runner - Die Auserwählten in der Brandwüste" (So., 20.15, Pro7) macht sich eine Truppe unverhoffter Helden auf ins Ungewisse. Nachdem sie im ersten Teil der Jugendbuch-Verfilmung aus dem düsteren Labyrinth ausbrechen konnten, werden Thomas (Dylan O’Brien) und seine Freunde im zweiten Teil zu der geheimnisvollen Einrichtung "WCKD" gebracht, wo sie angeblich in Sicherheit sein werden. Doch der Schein trügt. Also türmen Thomas und seine Gefährten aus dem hochfuturistischen Komplex in die Brandwüste, wo sich eine Gruppe Rebellen in einer Anarcho-Stadt niedergelassen hat. Aber leider nicht nur die.

Die dystopischen Highlights des Fernsehwochenendes sind längst nicht die einzigen Filme und Reihen, in denen die Rettung der scheinbar verlorenen Zivilisation allein auf den Schultern jugendlicher Helden lastet - siehe etwa auch "Die Tribute von Panem". Damit zeichnen sie zwar einerseits ein düsteres Bild der Zukunft, geben aber zugleich den Pinsel an die nächste Generation weiter. Sie ist also Leidens- und Hoffnungsträger zugleich.