Gegner: Saurons Orks. Wie hier bei der ComiCon 2018 in Madrid. - © Getty images/Eduardo Parra
Gegner: Saurons Orks. Wie hier bei der ComiCon 2018 in Madrid. - © Getty images/Eduardo Parra

Schön sind sie ja nicht gerade. Und auch nicht wenige: Das übermächtige Heer der Orks, garniert mit baumgroßen Trollen und natürlich den fliegenden, schwarzen Nazgûls, die im Dienste Saurons dem wackeren Heer des Westens den Garaus machen wollen. Da will man nicht in der Haut des Heerführers Aragorn stecken, wenn er den versammelten Menschen, Elfen und Zwergen Mut für den chancenlosen Angriff zuspricht. Denn der scheint alternativlos, wenn der tapfere Hobbit Frodo noch eine Chance haben soll, tief im Herzen Mordors direkt unter der Nase Saurons den Ring in der Lava zu versenken und damit seine Macht zu brechen.

Es ist also quasi das aufwendigste Ablenkungsmanöver aller Zeiten, das da am 25. März 3019 im "Dritten Zeitalter" losbrechen wird. Am Montag sind es exakt tausend Jahre bis dahin - und das nehmen "Herr der Ringe"-Fans weltweit als willkommenen Anlass, um ausgiebig die Werke von Autor J.R.R. Tolkien zu feiern. Der "Tolkien Reading Day", der seit 2003 jedes Jahr am 25. März stattfindet, soll an den Sieg erinnern, den das Heer des Westens in dem, was als Schlacht "Battle of the Morannon" bekannt geworden ist, errang. In Wien kann man etwa um 19 Uhr in der Hauptbibliothek feiern: Florian Friedrich liest, der EnChoir Vienna singt. Der Bihänder ist freilich selbst mitzubringen, man weiß ja nie, ob nicht ein Troll auftaucht.

Keilerei am Eisernen Tor

Die "Schlacht am Morannon" am Eisernen Tor ist die Entscheidungsschlacht am Ende des dritten "Herr der Ringe"-Bandes, und somit der Höhepunkt der Buchreihe, der manche Lästerer (völlig ohne Berechtigung) eine gewisse Langatmigkeit unterstellen. Doch selbst wer "nur" die sechs Kino-Filme von Peter Jackson gesehen hat, weiß, dass die Riesenadler das aussichtslos wirkende Schlachtgeschehen noch zum Guten wenden und Frodo somit den "Einen Ring" zerstören kann, woraufhin die Türme einstürzen und die Macht Saurons zerfällt.

Es war jener John Ronald Reuel Tolkien (J.R.R.), mit dem das Zeitalter der anspruchsvollen Fantasy-Literatur seinen Anfang nahm: Dabei hatte das Leben des Philologie-Professor in Oxford durchaus einen ruhigen Gang genommen. Aber es war nicht seine akademische Karriere, die ihn unsterblich werden lassen sollte. Denn eines Tages notierte er auf einer Prüfungsarbeit "In einer Höhle in der Erde, da lebte ein Hobbit . . ." - aus diesen Anfängen sollten die Welterfolge "Der Hobbit" und "Der Herr der Ringe" entstehen. "Der Hobbit" erschien 1937. Für den Nachfolgeband "Der Herr der Ringe" brauchte Tolkien 14 Jahre. Denn eigentlich, so Tolkien, sei das Schreiben nur eine Übung in "linguistischer Ästhetik", mit der er seine Theorie der Märchen illustrieren wollte. Das Gedicht "One Ring to rule them all/One Ring to find them/One Ring to bring them all/and in the darkness bind them" soll der später von der Queen zum "Commander of the Order of the British Empire" geschlagene Professor in der Badewanne geschrieben haben.

Tiefe durch Sprachen

Tatsächlich war es Tolkiens Faible für die Sprachen, die seiner Literatur Tiefe gaben. So entwickelte er Elben-Sprachen wie Quenya und Sindarin nebst der zugehörigen Schrift. Diese Sprachen für seine Elben-Charaktere wurden nach Kriterien der Ästethik und Euphonie kreiert. Üppige, untertitelte Dialogstrecken in den Kinofilmen lassen das freilich noch etwas besser zur Geltung kommen als in der Literatur. Und es geziemt sich auch heute noch für echte Fans, zumindest gewisse Grundlagen des Quenya zu kennen. Dass die Sprachen germanische und nordische Einflüsse haben, liegt wohl auch am seltsamen Sprachportfolio Tolkiens, der immerhin über solide Kenntnisse des Gothischen und Altisländischen verfügte.

Seinen Aufstieg zum Kultautor in den sechziger Jahren konnte Tolkien noch erleben. Sagenhafte 250 Millionen Mal haben sich seine Bücher verkauft. Er ist, auch nach seinem Tod 1973, noch immer einer der am besten verdienenden Autoren aller Zeiten. Tolkiens Sohn Christopher, er ist mit über 90 Jahren noch am Leben, konnte sich mit der Popularität nie anfreunden. "Tolkien ist ein Monster geworden, das von seiner eigenen Popularität verschlungen wird", sagte er einmal der "Le Monde". Ein goldenes Monster freilich, dass jede Menge Goldmünzen abwirft. Ganz im Unterschied zu den Orks übrigens, die auch beim zweiten Blick nicht schöner werden.