Wien. (bau) Die Geschichte des ORF mit Facebook ist eine ambivalente. Zunächst verzichtete der größte heimische Medienbetrieb in einem Kompromiss mit dem Verlegerverband darauf, auf Facebook präsent zu sein. Kaum war das im ORF-Gesetz auch rechtlich verbindlich festgehalten, begann der ORF, die Regelung zu bekämpfen. Nach langem juristischen Geplänkel durfte der ORF seit Ende 2017 auch offiziell wieder bei Facebook sein. Nun - knapp eineinhalb Jahre später - dürfte der Ofen endgültig aus sein. Mit April wird der ORF rund 80 Prozent seiner Facebook-Auftritte stilllegen.

Der inoffizielle Grund: Man habe festgestellt, dass die ORF-Inhalte Facebook mehr bringen als Facebook dem ORF. Daher will man Facebook nicht mehr mit ORF-Inhalten, die zu den oft geteilten Inhalten in Österreich zählen, unterstützen. Offiziell nennt der Sender in einer Stellungnahme auf orf.at freilich grundsätzlichere Überlegungen: "Harmlose Inhalte werden häufig zensuriert und gelöscht, während der Konzern es nicht schafft, Hass und Gewalt auf seiner Plattform in den Griff zu bekommen. Von dem offenbar aussichtslosen Kampf gegen politische Manipulation durch die Verbreitung von Fake News ganz zu schweigen", heißt es dort. Gleichzeitig hätten Änderungen im Algorithmus dazu geführt, dass der ORF (wie auch andere Medien) massiv an Reichweite verloren hätten. Bis zu 80 Prozent organischer Reichweite sollen verloren gegangen sein. Diese könnte man sich mit Geld zurückkaufen, was der ORF nicht will.

Nicht nur werden mit April die meisten ORF-Seiten gelöscht, man will auch alle Hinweise auf Facebook im Programm unterbinden. "Werbliche Hinweise auf Facebook oder andere Soziale Medien im ORF-TV und -Radio sowie Teletext (...) sind künftig zu unterlassen", heißt es in einer Internen Mitteilung. Auch Videos mit ORF-Material dürfen vom ORF nicht mehr gepostet werden. Vielmehr sollen alle Bemühungen darauf hinauslaufen, mehr Traffic auf der ORF-Webseite zu generieren.

Konflikt um Landesdirektor

Der Stiftungsrat hat in seiner Sitzung am Donnerstag indessen einstimmig Gerhard Koch (58) zum neuen Landesdirektor des ORF-Steiermark bestellt. Der Chefredakteur des Landesstudios folgt auf Gerhard Draxler, der mit Ende April 2019 in Pension geht. Doch das will der ehemalige Direktor des Landesstudios Salzburg, Roland Brunhofer, der sich ebenfalls beworben hatte, nicht auf sich sitzen lassen und hat angekündigt, gegen die Bestellung vorzugehen. Laut "SN" plant Brunhofer eine Beschwerde an die Medienbehörde KommAustria. Auch eine Klage gegen die Republik steht im Raum. Brunhofer meint, besser qualifiziert zu sein. ORF-Chef Alexander Wrabetz bestreitet das.