Wer in Paris an der Seine flaniert, dem kann es passieren, dass er auf dem Gehsteig von einem Elektro-Tretroller überholt wird. Die giftgrünen E-Scooter der Marke Lime sind mittlerweile nicht nur in Paris stationiert, sondern auch in zahlreichen anderen Metropolen auf der Welt: Brüssel, Brisbane, Calgary, Mexico City, Sydney, Tel Aviv, Wien. Und natürlich in allen größeren Städten der USA, wo das Unternehmen seinen Sitz hat.

Die Benutzung der Leihroller ist ganz einfach: Zuerst lädt man die Lime-App auf das Smartphone herunter. Dann sucht man sich einen Roller, der im öffentlichen Raum geparkt steht, und entsperrt ihn, indem man mit der App einen QR-Code scannt. Nach der Fahrt stellt man den Roller irgendwo im Stadtgebiet wieder ab. Der Betrag wird von der hinterlegten Kreditkarte abgebucht. Eine Fahrt kostet einen Dollar.

Milliarden wert

Mikromobilität gilt als der neueste Schrei in Sachen urbaner Verkehr. Doch die motorisierten Leihroller, die Geschwindigkeiten von bis zu 25 Stundenkilometern erreichen, sind nicht ungefährlich. Trotz erheblicher Sicherheitsbedenken ist der Siegeszug der E-Scooter kaum aufzuhalten: Lime und Konkurrent Bird sind die am schnellsten wachsenden Start-ups in den USA. Die Unternehmen sind schon jetzt Milliarden wert. Erst im Februar erhielt Lime bei einer Finanzierungsrunde 310 Millionen Dollar. Im vergangenen Jahr investierten die Google-Mutter Alphabet und Uber 335 Millionen Dollar in den E-Scooter-Verleiher.

Google und Uber verfolgen mit dem Investment ein strategisches Interesse: Bei der Nutzung der E-Scooter fallen jede Menge Daten an. Google hat Lime kürzlich in seinen Kartendienst Maps integriert. Seit März zeigt Google Maps Standorte von Lime-Rollern in 80 Städten an: Wer in der Google Maps nach einer Route sucht, dem wird neben dem Fuß- und Autoweg auch die Option Lime angezeigt: inklusive Fahrzeit und Leihgebühr.

Die Mobilitätsdaten verraten einiges über das Nutzungsverhalten: Welche Orte in der Stadt werden besonders häufig frequentiert? Wo ist die höchste Fluktuation? Wo verlaufen die Routen? Wo werden die Scooter häufig abgestellt? Wo gibt es Verdichtungen? Aus den Daten lässt sich wiederum ableiten, welche Geschäfte besonders attraktiv sind. Der US-Mobilitätsdienstleister Populus, der unter anderem auch Daten von Limes Carsharing-Dienst LimePod auswertet, hat in seinen Datenanalysen herausgefunden, dass herrenlose Roller statistisch häufiger in Gegenden mit schwachem Einkommen stehen. Lime sitzt auf einem Datenschatz. Und das ist der Grund, warum das Start-up so hoch bewertet wird.