"Bauhaus. Wenn’s gut werden muss." Die prägende Kunstschule gleich einmal vorweg mit der Baumarktkette zu verwechseln, scheint ein unverzeihbares Sakrileg. Doch so weit hergeholt ist das bei näherer Betrachtung gar nicht: Immerhin ging es dem Bauhaus darum, Kunst und Handwerk auf Augenhöhe miteinander zu verbinden und besonders im Design die Form der Funktionalität folgen zu lassen. Ein Aufbruch in neue Zeiten unter Rückgriff auf Altbewährtes: Die Idee einer Kunstschule, die die unterschiedlichsten Geschicke zwischen Handwerk und Kunst unter einem Dach vereint, geht auf die mittelalterliche Bauhütte zurück, in der während eines Kirchenbaus vom Baumeister über den Handwerker bis zum Künstler alle versammelt waren. Dass die Hütte zum Haus wurde, liegt mittlerweile wiederum 100 Jahre zurück. 3sat widmet sich daher am Wochenende ausgiebig dem Bauhaus-Jubiläumsjahr.

1919 gründete der deutsche Architekt Walter Gropius die Kunstschule in Weimar, die sich auf allen Ebenen dem modernen Denken verschrieb. Nicht nur kunsttheoretisch und ästhetisch brach man auf zu neuen Ufern, auch pädagogisch und gesellschaftspolitisch. So stand das Bauhaus etwa auch für die selbstbestimmte Position der Frau - zumindest in der Theorie. Die Dokumentation "Bauhausfrauen" (Sa., 19.20 Uhr, 3sat) beleuchtet die Rolle der Frauen im Bauhaus, deren Beitrag zur Erfolgsgeschichte der Schule lange unterschätzt blieb. Das gesellschaftliche Klima schien 1919 nach dem kürzlich erwirkten Wahlrecht zunächst günstig für Frauen, um sich am Bauhaus zu bewerben. Doch aufgrund der großen Zahl an Bewerberinnen befürchtete Direktor Gropius, die Assoziation des Bauhauses mit vornehmlich weiblichem Kunsthandwerk könnte dem Ansehen der Schule schaden. Daher blieben die renommierteren Bereiche wie Architektur nach wie vor in männlicher Hand. Die Doku stellt die Biografien einzelner Bauhäuslerinnen vor und schafft zusammen mit Experten und Kulturschaffenden den Spagat zu aktuellen feministischen Debatten.

Dass das Bauhaus als Schule und als Denkwerkstatt in anderen Bereichen radikal fortschrittlich und modern war, ist ihm dennoch nicht abzusprechen. Davon überzeugt die zweiteilige Doku-Reihe "Die Bauhaus-Revolution" (Sa., 20.15 und 21 Uhr, 3sat), die sich ausgiebig der Geschichte und dem Nachwirken der Institution widmet. Der erste Teil konzentriert sich auf das historische Bauhaus von 1919 bis 1933. Die Vision einer universellen Ästhetik, die Architektur, Design, Handwerk und Kunst teilen, machte die Schule schnell zum brodelnden Kessel moderner Ideen. Es sind klare Linien, schnörkellose Formen, Experimente mit unterschiedlichen Materialien, die das Bauhaus gestalterisch nach außen trägt. Vor allem die drei geometrischen Formen Quadrat, Dreieck und Kreis sowie die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau wurden nahezu zum Code dieser neuen, geradlinigen Gestaltungsweise.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste die Bauhaus-Schule zwar ihre Pforten schließen. Aber ihre Ideen emigrierten mit vielen ihrer Protagonisten hinaus in die Welt. Die Kunstschule wuchs zur Denkschule. Davon zeugen Spuren des Bauhaus-Stils, die sich bis heute quer über den Globus ziehen. Dass Schnörkelloses, rational Designtes für uns heute alles andere als radikal fortschrittlich erscheint, sondern längst zum architektonischen und gestalterischen Status quo gehören, ist bestes Beispiel für den großen Einfluss der Bewegung bis in die Gegenwart. Der zweite Teil der Dokumentation folgt den tiefen Bauhaus-Fußabdrücken bis in die USA, nach Israel, Japan, Frankreich oder Spanien.

Eine abstrakte Idee

Stetig hat sich das Bauhaus also von einem tatsächlichen Haus, in dem alle Sparten zusammenkommen und experimentieren, zu einer abstrakten Idee entwickelt. Doch was wäre das Bauhaus ohne Haus? Und wo wäre dieses Haus angebrachter als in Weimar? Die Dokumentation "Bauhaus - Ein neues Haus fürs Bauhaus" (So., 13.15 Uhr, 3sat) geht dem auf den Grund. Denn nach langem Hin und Her über Finanzierung, Lage und Design wurde es am 6. April 2019 nun endlich eröffnet, das neue Bauhaus Museum. Es soll nicht bloß die Bewegung und ihre Ideen näherbringen, sondern ganz im Geiste des originalen Bauhauses ein Ort des Austausches sein, an dem munter experimentiert wird. Wenn’s gut werden muss, setzt man eben immer noch aufs Bauhaus.