Wien. In einem Interview hat Hannelore Elsner einmal gesagt, dass sie mit ihren Rollen niemanden belästigen will. Das beschreibt das intensive, aber nie penetrante Spiel der Deutschen recht gut. Hannelore Elsner konnte als eine der wenigen Diven des deutschen Films und Fernsehens gelten – und so mancher Interviewer fürchtete sich sogar vor ihr.

Dabei störte Elsner vor allem eines in jüngster Zeit: Dass man sie überwiegend dazu befragte, wie sie mit dem Altern umgeht. Oder wie sie es schaffe, in ihrem Alter noch so formidabel auszusehen. Dabei war Elsner erstens mit 76 noch nicht direkt im Greisenalter. Und zweitens hätte ihre Karriere an sich auch schon genug Gesprächsstoff hergegeben. Denn in ihr spiegelt sich die ganze Entwicklung des deutschen Films.

Begonnen hat Elsner, die am 26. Juli 1942 im bayerischen Burghausen geboren wurde, als klassisches 60er-Jahre-Schmonzetten-Starlet. Zur Finanzierung ihres Schauspielstudiums hellte sie die Augen ihrer höherrangigen Kollegen Freddy Quinn und Hans-Joachim Kulenkampff genauso auf wie die des Publikums. Bereits mit 17 rät ihr eine Agentin, ihre Nase schmäler machen zu lassen und sich einen Künstlernamen zuzulegen. Die Nase durfte bleiben, das "t" aus dem Geburtsnamen "Elstner" musste allein weichen. Es reichte: Zwei Jahre später stand Elsner zum ersten Mal auf einer Theaterbühne. In mehr als 200 Fernseh- und Kinorollen sollte Elsner fürderhin zu sehen sein. Die größte Popularität erlangte sie durch die TV-Krimiserie "Die Kommissarin". Von 1994 bis 2006 ermittelte sie in Pumps und schwarzer Lederjacke in fast 70 Folgen und legte für TV-Kriminologinnen eine Art Steilvorlage hin, der lange nicht nur im "Tatort" nachgeeifert wurde.

Hannelore Elsner bei der Berlinale 2015. - © REUTERS, Loos
Hannelore Elsner bei der Berlinale 2015. - © REUTERS, Loos

Späte Ehrung

Auf die Bühne kehrte sie 1996 mit dem Solostück "Eine tot-normale Frau" zurück. Ohne dieses sei sie nicht bereit gewesen für ihre fulminante Leistung im Film "Die Unberührbare" (2000), berichtet sie. Ihre Darstellung einer vom Leben gezeichneten Schriftstellerin bringt ihr endlich die Anerkennung als Charakterdarstellerin und dazu den Deutschen Filmpreis ein.

Gleich noch einmal bekommt sie ihn für ihren Leinwandmonolog einer Schauspielerin in "Mein letzter Film" (2002) nach einem Drehbuch von Bodo Kirchhoff. Zu ihren großen Kinoerfolgen gehört auch ihre Rolle in Doris Dörries "Kirschblüten – Hanami" (2008) an der Seite von Elmar Wepper. Zugleich stellte Elsner immer wieder auch ihre komödiantische Seite unter Beweis. So ist sie in Dani Levys "Alles auf Zucker!" (2004) als blondierte Familienmutter zu erleben. Als grantelnde Diva war sie im Vorjahr in der ARD-Komödie "Die Diva, Thailand und wir!" zu sehen.

Die besten Schauspieltipps soll Elsner von ihrem Sohn Dominik erhalten haben. Wenn sie ihm aus dem Märchenbuch mit zu viel dramatischem Einsatz vorgelesen hat, dann sagte er: "Nicht spielen, Mama, nur lesen." Am Ostersonntag ist Hannelore Elsner nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Ihr letzter Film, die Fortsetzung von "Hanami", "Kirschblüten und Dämonen", ist noch in den Kinos zu sehen.