Es ist eines der wesentlichen Merkmale einer Demokratie, dass ihre Bürger das Recht besitzen, zu demonstrieren. In Österreich macht man davon seit geraumer Zeit wieder verstärkt Gebrauch, seien es nun die freitäglichen globalen Klimastreiks, bei denen Schüler für den Klimaschutz auf die Straße gehen, oder die aus der Schüssel-Ära wiederbelebte Tradition der Donnerstagsdemos, bei denen Alt und Jung Seite an Seite gegen Inhalte der schwarz-blauen Regierung mobilmachen. Der Protest als gesellschaftliche Praxis kennt freilich viele Formen und Ausprägungen - und ist längst nicht exklusiv politisch. Welcher Anlass wäre wohl passender als der 1. Mai, um ihn im Fernsehen etwas genauer zu betrachten?

Proteste, die blutig endeten

Kaum ein Datum vereint so viel Diverses an einem Tag wie er: Politische Parolen einerseits, biedere Familienausflüge andererseits, und in der Nacht davor stiehlt in ländlicheren Gebieten jemand einen Maibaum. In Wien ist nach wie vor der Maiaufmarsch der SPÖ zentrales Event. Und besonders heuer besitzen die Ursprünge dieser Tradition erstaunliche Aktualität: Bereits am 1. Mai 1856 gingen Arbeiter in Australien für eine Verringerung des 12-Stunden-Arbeitstags auf acht Stunden auf die Straße. 30 Jahre später verfolgten Arbeiter und Gewerkschaften in Chicago dasselbe Ziel in Form eines mehrtägigen Protests, der allerdings blutig endete. Der internationale Arbeiterkongress, der 1889 in Paris stattfand, rief den 1. Mai schließlich als "Kampftag der Arbeiterbewegung" aus. Bereits ein Jahr später gingen Arbeiter in Österreich und aller Welt auf die Straße.

Die Doku "Der 1. Mai. Ein Feiertag macht Geschichte" (Mi., 19.20 Uhr, ORFIII) begibt sich mit Filmdokumenten zum "Tag der Arbeit" aus ganz Österreich auf Zeitreise. Damit wirft sie gleichermaßen einen Blick auf die vorchristliche Tradition des 1. Mai als Festtag, der mit Maifest und anderen Bräuchen den Frühling zelebriert, wie auch auf die Entwicklung des "Kampftags der Arbeiterbewegung" zum fest verankerten Staatsfeiertag.

Proteste gegen bestimmte Arbeitsbedingungen sind auch heute noch längst nicht nur an einem fixen Tag im Jahr konserviert. Das zeigt etwa die Folge "Krieg gegen Uber & Co - Spaniens Taxifahrer machen mobil" der Reportagereihe "Re:" (Di., 19.40 Uhr, arte). In Spanien organisieren Taxifahrergewerkschaften Massendemos mit tausenden Teilnehmern und haben sogar Klage vor dem Europäischen Gerichtshof eingelegt. Der Grund? Eingesessene Taxifahrer werden zunehmend von App-basierten Fahrdienstleistern wie Uber oder dessen spanischem Konkurrenten Cabity verdrängt - ein Thema, das auch österreichische Taxifahrer zusehends umtreibt. Die neuen Anbieter argumentieren damit, dass die institutionalisierte spanische Taxibranche mit ihren "mafiösen" Strukturen und undurchsichtigen Lizenzvergaben eine Öffnung bitter nötig hätte. Der Fronten sind verhärtet, der Taxikrieg in Spaniens Städten ist längst zu brennenden Autos und gewaltsamen Auseinandersetzungen ausgeartet. Die Reportage lässt beide Seiten, sowohl Taxi-Aktivisten als auch Uber-Fahrer, in Madrid und Barcelona zu Wort kommen.

Eine gänzlich andere Form des Aufbegehrens verkörpert der Film "Cool Runnings" (Mi., 20.15 Uhr, KabelEins), der lose auf einer wahren Begebenheit basiert. Hier geht es nicht um arbeitsrechtliche Missstände oder gewaltsame Auseinandersetzungen, sondern um das Brechen mit festgefahrenen Denkstrukturen und Stereotypen. Denn warum sollte Jamaika keine Bobmannschaft haben? Die vier Athleten Derice Bannock (Leon Robinson), Sanka Coffie (Doug E. Doug), Yul Brenner (Malik Yoba) und Junior Bevil (Rawle D. Lewis) wollen es möglich machen. Trainiert werden sie dabei vom ehemaligen Olympiasieger im Bobfahren, Irv Blitzer (John Candy). Zunächst werden ihnen immer wieder Hürden in den Weg gelegt. Doch schließlich schaffen sie es, bei den Winterspielen in Calgary zu brillieren und das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Selbst als während des entscheidenden Rennens ihr Bob den Geist aufgibt, ist ihr Wille ungebrochen. Es gilt eben doch - bei den Olympischen Spielen wie bei Demonstrationen: Dabei sein ist alles.