Das Geschäft mit dem Gesicht boomt. Die Analysten von Allied Market Research prognostizieren, dass der Markt für Gesichtserkennung bis 2022 auf weltweit 9,6 Milliarden Dollar wächst. Die Nachfrage kommt nicht bloß aus dem öffentlichen Sektor (Flughäfen, Bahnhöfe), sondern auch aus der Privatwirtschaft. Mit intelligenten Systemen lässt sich ordentlich Profit machen. Denn aus den biometrischen Daten lässt sich einiges ablesen: Alter, Geschlecht, Stimmung. Facebook hat im 4. Quartal 2018 trotz zahlreicher Skandale einen Umsatzzuwachs von 30 Prozent auf 16,91 Milliarden Dollar vermeldet.

Nicht nur im virtuellen, auch im physischen Raum kommt die Technik zum Einsatz: In Filialen der Deutschen Post sowie der Supermarktkette Real wurden im Kassenbereich Werbebildschirme mit einer integrierten Kamera installiert, welche Alter und Geschlecht der Kunden sowie ihre Blickkontakte analysierten. Damit sollte die Qualität der ausgestrahlten Werbefilme gemessen werden. Starrt der Kunde auf die Schokolade? Leuchten seine Augen bei Rabatten auf? Reagiert er auf besondere Signalfarben?

Strafanzeige gegen Post

Erst nachdem die Datenschutzverein Digitalcourage Strafanzeige gegen Real und die Deutsche Post wegen Verstoßes gegen Datenschutzrecht stellte, wurde die Praxis eingestellt.

Die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff hat gerade in ihrem über 700 Seiten umfassenden Werk "Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus" analysiert, wie Konzerne aus Nutzerdaten Mehrwert schöpfen. Die Konzerne bedienen sich am menschlichen Körper wie an einem Steinbruch und raffinieren mithilfe von Maschinenintelligenz als neuem Produktionsmittel Rohdaten zu Informationen. Das Geschäftsmodell hat jedoch einen Preis: Der ungezügelte Raubbau an Verhaltensdaten, so Zuboff, führe zu einer "unbefugten Enteignung menschlicher Erfahrung" und "Aufhebung des natürlichen Rechts auf Freiheit". Vielleicht müssten die Konzertbesucher Taylor Swift einen kräftigen Rabatt auf ihren Eintrittspreis verlangen - oder einfach nur ihr Einverständnis für die Datennutzung. Ob Fans jedoch in ein Massenscreening einwilligen würden, ist fraglich.