Wien. Vor genau einem Monat starteten die ersten Umbauarbeiten auf dem chronisch schwächelnden ORFeins. Herzstück der ersten Reform: das werktägliche "Magazin 1" um 18.10 Uhr. Ein "neuer Blickwinkel, Kommunikation auf Augenhöhe und tiefgehende Hintergrundstorys" war das Versprechen, das der ORF zum Start am 8. April ankündigte. Die Zuseher dürfte das Angebot jedoch (zumindest vorerst) noch nicht überzeugt haben, wie eine Analyse der Daten zeigt. Im April lag der Marktanteilsschnitt in der jüngeren Zielgruppe (14-49 Jahre) bei neun Prozent, immerhin solide zwei Prozentpunkte unter dem Senderschnitt von ORFeins (11Prozent). 61.000 Zuschauer waren im Schnitt beim neuen Magazin pro Ausgabe mit am Bord.

Bei der älteren Zielgruppe (12+) sind die Zahlen ausgesprochen ernüchternd: 4,3 Prozent Durchschnitts-Marktanteil in der Vorwoche und damit bei der Hälfte des ORFeins-Senderschnitts (8 Prozent im April). Bei der Ausgabe von 1. Mai waren bei dem politischen und gesellschaftspolitischen Magazin gerade einmal 39.000 Zuschauer (12+) mit dabei - der bisherige Tiefpunkt.

"Serien funktionieren nicht"

Dennoch zeigt sich ORFeins-Channel-Managerin Elisabeth Totzauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zufrieden. "Uns war klar, dass das ein langer Prozess wird. Wer sich hier schnelle Punkte erwartet hat, hat keine Ahnung vom Fernsehen", so Totzauer. Das Magazin selbst sei zudem noch in einem Experimentierprozess. Immerhin stamme die Grundstruktur von ORFeins im Wesentlichen noch aus den Neunziger Jahren. Dass nun statt US-Serien ein Nachrichtenmagazin auf dem Programm steht, muss der gewohnheitsmäßige Zuschauer umlernen. Und das dauere eben - "mindestens ein Jahr lang", so Totzauer. Die Alternative, den Vorabend praktisch aufzugeben sei ja schließlich auch keine Lösung: "Die Serien funktionieren auf ORFeins einfach nicht mehr - und wir haben auch gar nicht mehr die richtigen Produkte dafür", erklärt die Channel-Managerin. Der Weg der Wahl könne daher nur in der Forcierung von Eigenproduktion liegen.

In einem weiteren Schritt gelte es demnächst, die Lücke zwischen dem Magazin um 19 Uhr und dem Hauptabend zu füllen. Totzauer schwebt dafür eigenproduzierte Unterhaltung vor. Der Slot funktioniert auf anderen Sender auch passabel: ServusTV fährt etwa mit seinem Quiz regelmäßig Marktanteile deutlich über dem Senderschnitt ein.

Dass bei den ORFeins-Zuschauern um 18.10 Uhr eben einfach kein Bedarf nach Information bestehe, kann Totzauer ausschließen. "Unsere Analysen, was die Zuschauer schauen wenn sie nicht ORFeins schauen, deuten in eine andere Richtung."

Neues Studio

Für den Start des "Magazin 1" hatte Designer Stuart Veech ein neues Studio entworfen, das ORF-
eins optisch hervorheben sollte. In seiner Größe und Vielfalt ist das ORFeins-Studio der Platz für viele verschiedene Formate. Auch alle ORFeins-Nachrichten sowie der im Mai startende "Talk 1" sollen dort stattfinden.