Dragonstone. Zwei Wochenenden noch, dann ist es geschafft. Denn dann sind die beiden letzten Folgen (und damit die finalen Episoden) einer der beliebtesten und einflussreichsten Fernsehserien der letzten Zeit abgespielt und es ist klar, wer nach zehn Jahren den Thron von Westeros besteigen wird (sofern er da noch vorhanden ist). Zwar erbosen sich die Fans rund um die Erde über das ausgesprochen schleißige (und selbst in der Welt von Drachen und Zombies "unrealistische") Drehbuch der aktuellen Staffel - aber wissen, wie es jetzt weitergeht, wollen sie natürlich dennoch alle.

Und genau da setzt das Problem einer global vernetzten Fernsehwelt an: Die Veröffentlichung erfolgt in den USA zur Prime Time am Sonntagabend. Die Krux dabei: Das ist bei uns zwischen zwei und drei Uhr Montag früh. Zu einer Zeit also, zu der kein normaler Mensch extra aufbleibt, um eine Fernsehserie anzuschauen (so spannend kann die gar nicht sein). Montagfrüh hat man dann natürlich auch meistens etwas besseres zu tun, als sich vor den Fernseher zu fläzen. Daher bleibt als logischer nächster Termin: Montagabend.

So weit, so gut. Nur ist es in Zeiten der internationalen Sozialen Medien praktisch unmöglich, einen ganzen Tag zu verleben, ohne von der Fülle an Online-Medien aus den USA mit Spoilern aller Art zupflastert zu werden, dass die Schwarte nur so kracht. Da GoT-Texte online blendend gehen, fühlt sich nämlich jedes US-Medium dazu berufen, umgehend nach Ausstrahlung einen Text über die neueste Folge zu publizieren: Oft erfolgt der Spoiler dabei schon im Titel oder im Bild so rücksichtslos, dass man gar nicht schnell genug wegschauen kann, bevor er in der Timeline auftaucht. Es ist ein Stakkato, mit dem die US-Medien die Europäer piesacken.

Spoiler vor der Ausstrahlung

Den Vogel schoss kürzlich der britische "Independent" ab, der den Kampf Arias gegen den Night King in einem Online-Text ohne jede Vorwarnung im Titel verkündete - exakt eine Stunde vor Ausstrahlung im United Kingdom. Man kann sich die Reaktionen des Publikums vorstellen: Nicht wenige wünschten wutschnaubend, man sollt sich bei der voreiligen Redaktion mit einem Dragonglass-Dolch "bedanken".

Sicherlich, es gibt weltbewegendere Probleme, als den Ausgang einer GoT-Folge verraten zu bekommen. Aber es ist doch eine gewisse Rücksichtslosigkeit, etwa wie wenn einem der Vordermann beim Verlassen eines Hauses die Türe nicht aufhält, sondern im Gegenteil absichtlich vor der Nase zuschlägt.

Wir werden wohl eine bittere Wahrheit zur Kenntnis nehmen müssen: Unsere eigene Versessenheit mit Sozialen Medien jeglicher Art haben uns für genau solches Ungemach empfänglich gemacht. Das zwingt uns jetzt dazu, an Montagen eine Art Strategie der Social-Media-Karenz zu fahren. Am besten ist es, alle Medien-Apps Sonntagnacht zu schließen und bis zum Genuss der neuen Folge 24 Stunden später nicht wieder zu öffnen.

Auf Menschen, die sich berufen fühlen, absichtlich zum Beispiel über WhatsApp-Gruppen zu spoilern, gibt es sowieso einen eigenen Platz in der Hölle. Und zwar gleich neben Daenerys toten Drachen. Denn Spoilern ist kein Kavaliersdelikt. Und lustig ist es auch nur für ganz besonders einfach gestrickte Gemüter.