Westeros. (bau) Natürlich sind die Fans ernüchtert. Nach fünf von sechs Episoden der finalen achten Staffel der HBO-Fernsehserie "Game of Thrones" ist vielen klar: So haben wir das nicht gewollt. Dass die Macher den Inhalt, der locker für zehn Episoden gereicht hätte, in sechs Folgen quetschten, nur um die Sache rasch über die Bühne zu bringen, wird man ihnen nicht so schnell verzeihen können. Handlungsstränge hängen im Dutzend in der Luft, massive Wendungen von tragenden Charakteren werden in einer Episode durchgezogen und nach Logik oder besser Stimmigkeit fragt längst keiner mehr.

Nun steht also Sonntagabend (US-Zeit) die finale, sechste Episode auf dem Programm. Ob die Macher die Sache noch einmal rumreißen können, scheint sehr fraglich. Fans, die das Ende im Netz gelesen haben wollen, sind jedenfalls entsetzt. Die Zeichen stehen auf Sturm - nicht nur in Westeros, sondern auch für HBO.

Dass Autor J.R.R. Martin nicht schnell genug schrieb, sodass die TV-Serie irgendwo in der sechsten Staffel die Bücher überholte, war der Auslöser der Holprigkeiten, die vielen Fans nun den Abschied von der Serie erleichtern. Hölzernes, hastiges Runtererzählen greift seither um sich. Es wirkt, als hätte man sich einfach nicht die Mühe gemacht, den roten Faden, den Martin gelegt hatte, ordentlich fertig zu erzählen. Viele beschlossen, auf die Bücher zu warten -so sie noch erscheinen. Manche Fans der preisgekrönten Fantasy-Saga fordern die Macher gar in einer Online-Petition auf, die aktuelle Staffel erneut zu drehen.

"Macht ‚Game of Thrones‘ noch einmal neu - mit kompetenten Autoren", heißt die Aktion bei der Plattform change.org, die zuletzt fast eine Million Unterstützer hatte. Die Initiatoren kritisieren die Drehbuchschreiber David Benioff und D.B. Weiss für die jüngsten Entwicklungen. Viele Anhänger sind erbost, weil sich die eigentliche Sympathieträgerin der Serie, Daenerys Targaryen, kurz vor dem Finale zum Bösewicht gewandelt hat und tausende Unschuldige töten ließ. Seit der Ausstrahlung der Saga 2011 diskutieren Anhänger immer wieder kontrovers über bestimmte Wendungen und Handlungsstränge.

Spoilergefahr droht

Das bevorstehende Ende der TV-Kultserie "Game of Thrones" lässt Fans auf der ganzen Welt dennoch grübeln. Unzählige Theorien dazu geistern aktuell durch das Internet. Ab Montag ist die 73.und letzte Episode der mehrfach mit einem Emmy ausgezeichneten Fantasy-Saga beim Pay-TV-Sender Sky und im Internet zu sehen. Und etliche Zuschauer werden sich wohl den Wecker stellen, um die letzten Minuten des "Spiels der Throne" schon am frühen Morgen zu verfolgen. Denn die Gefahr, im Lauf des Tages beim Surfen im Internet oder durch Gespräche aus Versehen das Ende zu erfahren, ist groß.

Trotz grandioser musikalischer Untermalung und atemberaubender visueller Effekte bleibt bei vielen ein fader Beigeschmack. Doch Kritik an der derzeit wohl meist gehypten Fernsehserie ist nicht neu. Die Autoren können es eben nicht jedem recht machen. "Einige Leute werden zufrieden sein. Andere dagegen nicht so sehr", sagten Sophie Turner und Maisie Williams, die die Schwestern Sansa und Arya Stark spielen, kürzlich in einem Interview über die letzten Folgen.

Viele rechnen damit, dass die Saga, die auf der noch unfertigen Buchreihe "Das Lied von Eis und Feuer" basiert, mit einem Knall enden wird. Mit der eigentlichen Sympathieträgerin Daenerys Targaryen wurde kurz vor dem Finale - zum Unmut vieler Zuschauer - ein neuer Bösewicht erschaffen, den es nun zu bekämpfen gilt. Inklusive Drachen und Armee.

Nach den letzten 80 "Game of Thrones"-Minuten und der zweistündigen Doku "The Last Watch", die in einer Woche ausgestrahlt wird, müssen sich die Fans nun von Jon Snow, Arya Stark und Co verabschieden.

Ableger in Arbeit

Und dann? Der US-Sender HBO hat bereits einen Ableger geplant, der tausende Jahre vor den Ereignissen bei "GoT" spielt - ebenfalls auf dem fiktiven Kontinent Westeros. Wann die Serie um Hollywood-Star Naomi Watts zu sehen sein wird, ist aber noch unklar. Streaming-Gigant Netflix hat sich die Rechte an "Die Chroniken von Narnia" gesichert, Amazon Prime verspricht eine "Herr der Ringe"-Serie. Für Fantasy-Nachschub ist also gesorgt.