Tel Aviv. Am Ende behielten die Buchmacher recht: Beim 64. Eurovision Song Contest (ESC) in Israel holte Duncan Laurence für die Niederlande den Titel - ein Sieg mit Ansage. Österreich war nach dem Ausscheiden von Paenda im Halbfinale nicht mehr in der Endrunde vertreten. Der 25-jährigen Laurence, der mit seiner melancholischen Ballade "Arcade" über eine verlorene Liebe sang, hatte schon im Vorfeld als Favorit gegolten. Dennoch zeigte sich das Feld heuer relativ breit gestreut. Italiens Rapper Mahmood kam mit seinem "Soldi" auf Platz 2 zum Liegen - mit 462 Punkten, 27 hinter den Niederlanden mit insgesamt 492 Punkten. Und Russlands Sergey Lazarev schaffte es mit der Nummer "Scream" ebenfalls noch aufs Stockerl - allerdings mit 369 Punkten schon mit einem Respektabstand.

Noch anders hatte es nach der Bekanntgabe des Votums der Fachjurys ausgesehen. Hierbei ging Schweden mit 239 Punkten leicht vor dem überraschenden Zweitplatzierten Nordmazedonien mit 237 Punkten als Sieger hervor. John Lundvik landete dank einer schwachen Publikumswertung letztlich aber nur auf dem Gesamtplatz 6, während sich Nordmazedoniens Tamara Todevska ("Proud") mit Rang 8 begnügen musste. Bei den Fachjurys hatten die Niederlande Platz 3 mit 231 Punkten erreicht.

Großbritannien auf dem letzten Platz

Österreichs Beitrag beim ESC-Finale: Conchita. - © APAweb/AFP, Jack Guez
Österreichs Beitrag beim ESC-Finale: Conchita. - © APAweb/AFP, Jack Guez

Null Punkte gab es diesmal für keinen Beitrag. Selbst der Brite Michael Rice, der mit "Bigger Than Us" auf dem letzten Platz landete, konnte zumindest 16 Ehrenpunkten verbuchen, der Vorletzte aus Weißrussland kam auf 31 Punkte, einen weniger als das deutsche Frauenduo S!sters (dessen 32 Punkte kamen allesamt von der Fachjury, beim reinen Publikumsvoting ging es mit 0 Punkten leer aus).

Auch wenn die blauhaarige Paenda mit ihrer berührenden Ballade "Limits" am Donnerstag in ihrem Semifinale ein Ticket für die Endrunde des Bewerbs klar verpasst hatte, so war doch zumindest ein Österreicher auf der Bühne von Tel Aviv präsent: Conchita stand im neuen, maskulineren Wurst-Styling an der Spitze eines ESC-Allstars-Quartetts, flankiert von Mans Zelmerlöw, Verka Serduchka und der Vorjahreszweiten Eleni Foureira. Nicht österreichisch, aber dafür umso prominenter gestaltete sich ein zweiter Pausenact: Madonna performte nach langem Hin und Her unter anderem die Weltpremiere ihres neuen Songs "Future". Madonnas Auftrittspläne für den ESC hatten ihr im Vorfeld Kritik der Israel-feindlichen Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) eingebracht. In einer Stellungnahme, die von US-Medien verbreitet wurde, erklärte die 60-jährige Pop-Diva: "Ich werde nie damit aufhören, Musik zu machen, um die politische Agenda von jemandem zu erfüllen, noch werde ich damit aufhören, Menschenrechtsverletzungen anzusprechen, wo auch immer in der Welt sie sich ereignen."

Prominenter Pausen-Act: Madonna präsentierte ihren neuen Song. - © Apaweb / AFP / KAN /Orit Pnini
Prominenter Pausen-Act: Madonna präsentierte ihren neuen Song. - © Apaweb / AFP / KAN /Orit Pnini

Glamour von Anfang bis Ende

Dank eines Auftaktfilms in Hollywood-Manier hatte der Abend schon mit Glamour begonnen - ein Eingangsstatement, das sich in weiterer Folge in puncto technischem Aufwand durchaus fortsetzte. Und so ging die Musikschlacht zu Ende, die seit dem 1. Halbfinale am Dienstag für eine Woche lang Tel Aviv zur Musikhauptstadt Europas gemacht hat. Die Hafenmetropole überraschte die deutlich weniger als in den Vorjahren angereisten ESC-Fans und -Journalisten mit moderaten (sichtbaren) Sicherheitsvorkehrungen trotz der 20.000 eingesetzten Polizisten.

Dabei hatten militante Palästinenser kurz vor dem Großevent rund 700 Raketen auf Israel abgefeuert und dabei vier Menschen getötet, während bei den folgenden israelischen Gegenangriffen 25 Palästinenser getötet wurden. Allerdings vermittelte Ägypten in Rekordzeit eine Waffenruhe, die Bestand hatte. Der frisch wiedergewählte Premier Benjamin Netanyahu wollte sich die Möglichkeit der positiven Botschaft aus Israel nicht nehmen lassen.

Und so präsentierte sich die liberale Hafenstadt Tel Aviv als ESC-Austragungsort mit langen Sandstränden, Temperaturen jenseits der 30 Grad und einem legendären Nachtleben. Nicht zuletzt begrüßte man Zehntausende Feierwillige im gigantischen Eurovision Village im direkt am Meer gelegenen Charles Clore Park mit Bühnen und Ständen für diejenigen, die nicht in der ESC-Halle feiern wollten. Schließlich kosteten die Toptickets für die Veranstaltungshalle Expo Tel Aviv, die für rund zwei Millionen Euro adaptiert wurde und rund 7.500 Menschen während der Liveshows fasste, 490 Euro. (apa)