Wien. 73 Folgen und acht Jahre hat es gedauert, bis klar war, wer dem verstorbenen König aus dem Haus Baratheon auf Dauer nachfolgen wird und über die (nach einem Last-Minute-Deal) nur noch sechs Königslande von Westeros regieren wird. Das Ende darf hier natürlich nicht vorweggenommen werden, wirkt aber irgendwie salomonisch und könnte doch dem einen oder anderen zuletzt ein bisschen unruhigen Fan der Serie einen versöhnlichen Abschied aus der Welt von Westeros bescheren. Einige Charaktere bekommen, was sie wollen, einige nicht, dafür aber etwas anderes, und eine entdeckt sogar ihre Liebe zur Seefahrt und wird wohl als der Christoph Columbus der Königslande in die weitere Geschichte eingehen. Und einige sind - nun ja einfach tot. Aber für gnadenloses Metzeln ist der Autor ja durchaus bekannt.

Und manche sind wieder exakt dort, wo sie vor acht Jahren angefangen haben - in einem schönen Kreis mit den allerersten Szenen in den ersten Folgen. Die letzte Folge bietet insgesamt formal wenig Beschwerdepunkte. Sie ist wunderschön inszeniert, hat tolle Bilder und setzt die naturgemäß hochdramatische Handlung in starken, sehr symbolhaften Episoden in Szene. Das kann dennoch nicht über die Unzufriedenheit vieler Fans darüber hinwegtäuschen, dass die Handlung in den nur sechs Folgen der achten Staffel geradezu sinnlos durchgepeitscht wurde.

Verbogener Charakter

Das verbiegt natürlich so manchen Charakter und macht seine Entscheidungen und Wendungen nicht mehr ganz nachvollziehbar. Die Wandlung von Daenerys Targaryen vom gerechten Hoffnungsträger zur "Queen of the Ashes", die auch vor wahllosem Massenmord nicht zurückschreckt, wird nur bruchstückhaft wiedergeben. In Summe hat man den Eindruck, nicht eine ganze, wohldurchdachte Staffel gesehen zu haben, sondern lediglich ein paar Seiten aus dem Skizzenbuch von Autor G. R. R. Martin gelesen zu haben. Und dass in einer erzählten Welt, die man als unglaublich dicht, durchdacht und mit viel Hintergrund ausgestattet kennengelernt hat. Das ist unwürdig.

Kein Wunder, dass die Fans so das Gefühl haben, einen Sneak Peek gesehen zu haben und nicht das echte Produkt. Das ist schade, aber was will man machen, wenn der Autor offensichtlich nicht so schnell schreiben kann oder will, wie es das Fernsehen braucht. Vielleicht ein guter Grund, wieder zum guten, alten Buch zu greifen - so es dann doch noch erscheint. Wenn Martin klug und ökonomisch geschickt ist, bietet er im Buch sogar ein alternatives Ende an - falls man mit dem derzeitigen unzufrieden ist.

Spin-off in Sicht

Allein in Amerika erreichte die Serie laut dem US-Sender HBO pro Folge rund 43 Millionen Menschen. Traurig über das Ende sind nicht nur viele Fans, sondern auch die Protagonisten. Zugleich bedankten sich einige von ihnen bei den Fans für deren Treue. So schreibt Emilia Clarke, die die Drachenkönigin Daenerys spielte, auf Instagram: "Diese Frau hat mein ganzes Herz in Anspruch genommen." Die Serie habe sie als Frau, Schauspielerin und Mensch geprägt. Den lieben, magischen Fans schulde sie Dank. "Ohne Euch gibt es kein uns. Und jetzt ist unsere Wache zu Ende."

Sophie Turner, die Sansa Stark verkörperte, schreibt, sie sei mit der Serie aufgewachsen, habe sich in sie verliebt und werde nie vergessen, was sie ihr beigebracht habe. Ohne diese Erfahrungen wäre sie nicht der Mensch, der sie heute sei.

Die Fans können aber nach dem Abschied auf weitere Fantasy-Geschichten hoffen, die an die Kultserie anknüpfen. HBO hat bereits einen Ableger geplant, der tausende Jahre vor den Ereignissen bei "GoT" spielt - ebenfalls auf dem fiktiven Kontinent Westeros. Wann die Serie um Hollywood-Star Naomi Watts zu sehen sein wird, ist unklar. Amazon Prime verspricht zudem eine "Herr-der-Ringe"-Serie. Weiters: ein Rivival für "Conan, der Barbar".