John Turturro als William of Baskerville. - © Sky
John Turturro als William of Baskerville. - © Sky

Unterföhring. 1986 kam "Der Name der Rose" ins Kino. Der frühere James-Bond-Darsteller Sean Connery spielte in der heute legendären Verfilmung des gleichnamigen Romans von Umberto Eco den Franziskanermönch William von Baskerville, der in einem einsam gelegenen Kloster in Mordermittlungen verwickelt wird. Nun legt Sky eine Neufassung des erfolgreichen Stoffes vor: Am Freitag startet die mittelalterliche Kriminalgeschichte als Serie auf Sky.

Die Fußstapfen Connerys sind freilich groß: In den Hauptrollen sind John Turturro ("The Big Lebowski") als Baskerville und Damian Hardung ("Der Club der roten Bänder") als Novize Adson von Melk zu sehen. Rupert Everett spielt den erbarmungslosen Inquisitor Bernardo Gui, der im Auftrag des Papstes in das Kloster reist.

Die acht Episoden führen zurück ins Jahr 1327. Kaiser Ludwig der Bayer liefert sich einen Machtkampf mit Papst Johannes XXII. Ein geheimes Konzil in einem Kloster soll helfen, den Streit zu schlichten, der auch mit Waffen ausgetragen wird. Baskerville soll für den Kaiser sprechen, während der Papst den Inquisitor Gui schickt. Kurz vor Baskervilles Ankunft im Kloster ist ein Mönch gestorben, auf seltsame Weise. Der Franziskaner fängt daher an, mit Hilfe seines Novizen Adson zu ermitteln, und entdeckt Spuren, die alle in die geheime Bibliothek der Mönche führen. Als weitere mysteriöse Todesfälle folgen, stoßen die beiden auf ein dunkles Geheimnis.

Düster und schmutzig

Der von Bernd Eichinger produzierte Film zeichnete die Welt im Kloster düster, schmutzig und bevölkert von höchst eigenartigen Figuren. In der Serie erscheint alles aufgeräumter und sauberer. Die Handlung ist jedoch ähnlich und kreist vorwiegend um die Morde und deren Aufklärung, erweitert um einige Handlungsstränge und Figuren. Eine junge Frau namens Anna taucht auf, die sich an Gui wegen seiner Schandtaten rächen will, gespielt von Greta Scarano ("In Treatment"). Immer wieder ist auch der von der Kirche als Ketzer verschriene Fra Dolcino mit seinen Getreuen zu sehen, der die Menschen für seine Lehren begeistern will. Er fordert eine Abkehr vom Pomp der Amtskirche und verspricht den Geknechteten ein Leben in Freiheit.

Um dies alles zu erzählen, arbeitet die rund 26 Millionen Euro teure Serie viel mit Rückblenden und Zeitsprüngen. Sie sollen dazu beitragen, die Vorgeschichten der Figuren zu erzählen, lenken aber oft von der eigentlichen Handlung ab. Die Vielschichtigkeit, die man sich von einer mehr als sechs Stunden langen Adaption des Romans erhoffen könnte, wird dadurch nicht erreicht. Stattdessen wird es schnell theatralisch und mitunter pathetisch, was auch an der Musik liegt.

Der Mönch als Oberlehrer

Hauptdarsteller John Turturro macht seine Sache dennoch gut, wenngleich sein William of Baskerville, der als Franziskaner die Armut predigt, zum Teil etwas oberlehrerhaft und überheblich daherkommt. Ansonsten versucht er scharfsinnig und unbestechlich, der verschworenen Gemeinschaft der Benediktinermönche ihre dunklen Geheimnisse zu entlocken.

Unterstützt wird er dabei von seinem neugierigen Schüler Adson, dem Damian Hardung eine interessante Mischung aus Naivität und Klugheit verleiht. Mit Staunen nimmt der Novize auf, was geschieht, und entdeckt außerdem die Liebe. Er fühlt sich in Autor Ecos klassischem Love-Interest-Motiv zu einer jungen, heimatlosen Frau hingezogen, die im Wald nahe dem Kloster lebt. Das sind freilich sündige Gedanken für einen Benediktiner, doch wie die trotz allem recht spannende Serie beim Blick hinter die dicken Klostermauern offenbart, ist er damit nicht der Einzige.