Das Ibiza-Skandal warf einen langen Schatten über die vergangene Woche. Aber an diesem Sonntag geht es weder um Ibiza noch um Österreich allein, sondern um ganz Europa. EU-Bürger wählen ihre Abgeordneten für das Europäische Parlament. Zumindest jene, die sich zum Urnengang aufraffen. In Österreich waren das bei der vorigen EU-Wahl nämlich nur rund 43 Prozent. Daher rufen seit Wochen nicht nur Parteien, sondern auch Personen des öffentlichen Lebens und Privatpersonen laut dazu auf, hinzugehen und mitzubestimmen. Tue man das nicht, müsse man sich auch nicht wundern, wenn das Gebilde der EU ins Wanken gerät.

"Es weht ein anderer Wind und wer, wer garantiert, dass wir uns morgen noch gegenübersteh’n, um irgendwohin zu geh’n." Die Zeilen aus Falcos Song "Europa" wirken in der Rückschau gespensterhaft prophetisch. Widmete er ihn 1995 ursprünglich dem EU-Beitritt Österreichs, klingt er über 20 Jahre später auch im drohenden Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union wider. 2016 stimmten die Briten mit knapper Mehrheit für den Brexit. Was darauf folgte, war ein bis heute anhaltendes Hin und Her zwischen UK und EU, das vor allem eins beweist: Ein EU-Austritt ist weder eine simple noch eine besonders erstrebenswerte Angelegenheit.

Aber wie konnte die Brexit-Kampagne so stark einschlagen, dass sie ein Land in zwei Hälften spaltet? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Doku-Drama "Brexit - The Uncivil War", das am Samstag auf Puls4 deutschsprachige Free-TV-Premiere feiert (20.15 Uhr). Der führende Kopf der "Vote Leave"-Kampagne für den Austritt war der umstrittene Politstratege Dominic Cummings, im Film gespielt von Benedict Cumberbatch. Er bedient sich zweifelhafter Methoden, um gezielt bestimmte Zielgruppen zu erreichen, während die "Remain"-Kampagne unter Cameron-Pressesprecher Craig Oliver (Rory Kinnear) deutlich gesitteter, aber dadurch auch weniger schlagkräftig verfährt. Klar in den Fokus rücken im Film also nicht die Boris Johnsons oder Nigel Farages der Brexit-Saga, sondern die strategischen Drahtzieher dahinter.

Und die bewiesen ihr Geschick längst nicht nur beim Buhlen um Austritt oder Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU. Die Polit-Satire "Die Wahlkämpferin", die am Samstag (22.10) auf ORF1 ebenfalls zum ersten Mal im deutschsprachigen Free-TV zu sehen ist, zeichnet ähnliche Bilder vom Wahlkampf in Bolivien, basierend auf wahren Begebenheiten. Die Politstrategin Jane Bodine (Sandra Bullock) gilt als "Calamity Jane" des Wahlkämpfens. Als sie sich jedoch nach zwei verlorenen Wahlen von der US-Politbühne zurückzieht, lockt ein neues Angebot: Sie soll den bolivianischen Präsidentschaftskandidaten Pedro Castillo (Joaquim de Almeida) unterstützen und sein Image vom Unsympathler zum Wählermagneten umkrempeln. Hinzu kommt noch, dass Bodines Erzfeind Pat Candy (Billy Bob Thornton) den gegnerischen Wahlkampf von Rivera (Louis Arcella) coacht. Grund genug also, die schweren Geschütze aufzufahren - die Spin-Doktorin operiert am offenen Herzen: Die Nation befinde sich in einer Krise, lautet das neue Narrativ. Und Kandidat Castillo allein könne sie abwenden.

Doch echte Krisen brauchen Revolutionäre. Im 19. Jahrhundert etwa verschlechterten sich die Lebens- und Werksbedingungen der Arbeiter rapide - eine Begleiterscheinung der industriellen Revolution. In diesem Spannungsfeld fielen die Theorien von Karl Marx und Friedrich Engels auf fruchtbaren Boden - und wirken bis heute nach. Der Historienfilm "Der junge Karl Marx" (Sa., 18.25, ONE) wirft einen Blick auf die Anfänge dieser Zusammenarbeit. Ab 1843 vertieft sich die Bekanntschaft zwischen Marx (August Diehl) und Friedrich Engels (Stefan Konarske), der kurz zuvor seine Studie über die untragbaren Lebensbedingungen der englischen Arbeiterklasse veröffentlicht hat. Schließlich folgt Marx Engels nach England, wo sie zusammen ihr Manifest der Kommunistischen Partei verfassen. Und damit gleichsam ein Dokument, das beweist, wie lange und nachhaltig notwendiges politisches Engagement widerhallt.