Wien. Nach dem Erfolg der Serie "American Gods", eine Adaptierung des Romans von Neil Gaiman, zieht der britische Autor nun mit einem Herzensprojekt nach: sein 1990 verfasster Roman "Good Omens", gemeinsam geschrieben mit Scheibenwelt-Erfinder Terry Pratchett. Die humorvolle Geschichte über einen Engel und einen Dämon, die gemeinsam versuchen, die Apokalypse abzuwenden, hat Kultstatus und schürte die Erwartungen.

Einen Teil dieses Drucks schultert das Duo Michael Sheen und David Tennant, die die Hauptrollen von Engel Aziraphale und Dämon Crowley übernehmen, ohne Probleme. Die Chemie der beiden ist das Fundament der Serie von Amazon Prime und BBC2. Vielmehr kämpft "Good Omens" damit, sein Tempo zu finden. Trotz der immer näher rückenden Endzeit schafft es die Geschichte nicht, Momentum zu entwickeln und die Spannung zu halten.

Den ersten Blick auf Aziraphale und Crowley erhascht der Zuschauer im Garten Eden. Gerade wurden Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben, da treffen die beiden einander, um über Gut und Böse zu diskutieren. Aziraphale glaubt an den unerschütterlichen Plan Gottes, selbst wenn er nicht immer logisch erscheint. Crowley versucht in allem die niedere Absicht zu suchen. Immerhin, eine verbotene Frucht mitten im Paradies? Diese wiederkehrende Debatte über das Verhältnis von Gut und Böse wird einem im Laufe der Serie zwar oft aufs Auge gedrückt, sie baut aber nahtlos zum großen Finale auf.

Da himmlische und höllische Vorgesetzte sich als nutzlos erweisen, lenken Aziraphale und Crowley die Geschicke der Erde über die nächsten Jahrtausende. Umso tiefer sitzt der Schock, als die Chefs entscheiden, es wäre nun Zeit, Armageddon einzuläuten. Immerhin haben die beiden die Welt inzwischen zu schätzen gelernt. Doch der Antichrist ist geboren und die ungleichen Freunde sind nun gezwungen, innerhalb eines Jahrzehnts eine Lösung zu finden, wie Armageddon doch noch abgewendet werden kann.

Der Plot wird nicht dichter

Was der Serie gelingt, ist es den Ton der Vorlage einzufangen. Hier treffen die philosophisch-theologische Grübelei Gaimans, die absurde Gesellschaftsreflexion Pratchetts so wie eine Prise Douglas Adams aufeinander. Ähnlich wie die Adaption von "Per Anhalter durch die Galaxis" von 2005 hat auch "Good Omens" einen Erzähler. In diesem Fall ist es Gott höchstpersönlich, Frances McDormand. Ihre Präsenz offenbart aber eines der gröberen Probleme der Serie. Zu oft erklärt oder unterbricht sie die Handlung und beginnt erst in späteren Episoden, leiser zu werden. Es wirkt, als hätte Gaiman sich mit den Drehbüchern zu sehr an der Erzählstruktur des Buches orientiert.

Zudem wirkt die Handlung manchmal etwas zu arrogant und erhöht mit Gimmicks den Einsatz. So wird unglaublich viel Zeit darauf verschwendet, mit einem Kartentrick zu verschleiern, welches der drei vertauschten Babys denn nun der Antichrist ist. Ebenso unterbricht die Serie den Aufbau, um 28 Minuten lang zu zeigen, wie Aziraphale und Crowley die Menschheitsgeschichte durchwanderten und beeinflussten.

Der Fokus auf das ungleiche Duo lässt den anderen Figuren oft wenig Raum. Die vier Reiter der Apokalypse werden nur sporadisch eingefügt und wirken verloren. Anathema (Adria Arjona), Nachkommin der prophetischen Hexe Agnes Nutter, bekommt zwar ähnlich wie Hexenfinder Newt Pulsifer (Jack Whitehall) eine Hintergrundgeschichte, dennoch bleibt beider Handlungsbogen auf das Notwendigste reduziert. Auch die Motivationen des Antichrist Adam Young (Sam Taylor) sind nicht immer so klar wie in der Vorlage.

Wenn man über das unstete Tempo und das theologische Ausweiden hinwegsehen kann, macht "Good Omens" jedoch viel Spaß. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass hier eine talentierte Schauspielriege auftritt. Jon Hamm als arroganter Erzengel Gabriel, Michael McKean als verbitterter Hexenfinder Sergeant Shadwell und Miranda Richardson als okkulte Madame Tracy sind großartig. Die Serie ist eine getreue Adaption der Vorlage, was oft gegen sie arbeitet, aber in den stärkeren Momenten viel Vergnügen bereitet. Der Zuschauer darf für sechs Episoden eine Reise in eine metaphysisch fantastische Welt antreten, in der Armageddon nicht schnell genug kommen kann.