Wien. Die Einführung des neuen Digitalradios mit DAB+ hat bislang nur unter mäßiger Anteilnahme durch die Bevölkerung stattgefunden. Jahrelang lief ein Testbetrieb in Wien, breite Schichten hat man damit aber wohl nicht für das neue, digitale Radio begeistern können. Doch am Dienstag soll der Startschuss dafür fallen, dass das Digitalradio in Österreich doch noch abhebt. Denn am Dienstag startet der Vollbetrieb und damit die erste Ausbaustufe der flächendeckenden Versorgung ganz Österreichs mit dem neuen Übertragungsweg. Nahezu 60 Prozent der Österreicher können am Dienstag bereits Digitalradio empfangen. DAB+ wird zusätzlich zum normalen, analogen UKW übertragen, eine Einstellung des analogen Signals ist derzeit nicht geplant.

Neben Klassik Radio, Radio Energy und Radio 88.6, die bereits jetzt lokal im analog-terrestrisch zu hören sind, werden zunächst Rock Antenne, das Einkaufsradio Jö Live, Technikum ONE, Arabella Relax, Radio Maria und das freikirchliche ERF Plus auf DAB+ national on air gehen und so neue Radioprogramme für Österreich anbieten. Weitere Radioangebote sollen in Kürze folgen. Auf dem regionalen Netz in Wien sind bereits seit mehr als einen Jahr Arabella Wien, City23, ARBÖ Verkehrsradio, MEGA Radio, Mein Kinderradio, Now Radio, Sout al khaleej und Technikum City zu hören.

Somit sind in Wien derzeit 17 digitale Radiosender über DAB+ empfangbar. Der ORF hat sich bisher stets aus protektionistischen Gründen geweigert, sich am digitalen Radio zu beteiligen. Der ORF hat kein Interesse an mehr Konkurrenz, daher wird es auch vorerst kein ORF-Angebot auf DAB+ geben. Eine Initiative, den ORF mit einem seiner Sender auf DAB+ zu zwingen, wird nun, nach dem Ende der Bundesregierung, wohl nicht mehr kommen.

60 Prozent Versorgung

Der österreichweite Netzausbau des bundesweiten DAB+ Multiplexes für digitalen Hörfunk erfolgt in drei Phasen. Am Dienstag erfolgt die gemeinsame Aufschaltung der Standorte Wien-Kahlenberg, Wien-Liesing, Wien-DC Tower, Graz-Schöckl, Linz-Lichtenberg und Semmering-Sonnenwend- stein. Im Zuge dieser ersten Ausbauphase werden mit Wien, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark und Oberösterreich bereits nahezu 60 Prozent der österreichischen Bevölkerung digital-terrestrisches Radio DAB+ empfangen können.

Die Phase zwei erfolgt am 31. März 2020 und wird die Standorte Bregenz-Pfänder, Innsbruck-Patscherkofel, Salzburg-Gaisberg und St. Pölten-Jauerling umfassen. Mit dieser Ausbaustufe sind dann bis zu 75 Prozent versorgt. In der dritten Ausbaustufe wird Kärnten erschlossen, während der Empfang von DAB+ in der Steiermark und dem Burgenland weiter ausgebaut wird. Diese Inbetriebnahmephase ist für den 22. September 2020 angesetzt und wird die Standorte Bruck an der Mur-Mugl, Klagenfurt-Dobratsch, Rechnitz-Hirschenstein und Wolfsberg-Koralpe betreffen. Versorgungsgrad: 83 Prozent.

Europaweit Standard

Österreich hat bei DAB+ Aufholbedarf: In Großbritannien, Norwegen, der Schweiz, den Niederlande, Frankreich, Deutschland, Italien sowie Tschechien und Belgien ist der Standard bereits im Betrieb. In Österreich übernahm den Netzausbau und den Multiplex-Betrieb nach einer Ausschreibung die ORF-Sendertochter ORS. Das ist insofern interessant, als die Konzernmutter ORF ja nicht am Betrieb von DAB+ teilnimmt.

Um DAB+ empfangen zu können, ist ein Gerät mit DAB+-Chip nötig. Für bisherige analoge Anlagen oder Geräte gibt es einen Konverter, mit dem man DAB-Empfang herstellen kann. Autoradios sind ein Sonderfall: Viele Automarken haben bereits jetzt DAB+ verbaut, ohne dass das den Kunden aufgefallen wäre. Ab 2021 sind in der EU auch nur noch Autos mit DAB+ zugelassen. Der neue Kodex soll sicherstellen, dass Autofahrer EU-weit Zugang zu den Vorteilen des digital-terrestrischen Radios DAB+ erhalten, unabhängig davon, wo in der EU das Fahrzeug gekauft wurde: Von klarem Klang, Programmvielfalt und Zusatzdiensten und Datenservices sollen Kfz-Besitzer in der gesamten Europäischen Union profitieren. Im Handel zeigt man sich für den Sendestart von DAB+ gerüstet. Geräte sollen in nötiger Zahl lagernd sein, heißt es bei Saturn und Mediamarkt.

Der wohl wichtigste Vorteil von DAB+ für die Konsumenten ist mehr Vielfalt. Statt bisher ein Programm pro Frequenz können nun bis zu zehn Programme transportiert werden. Das bedeutet eine Vielzahl an neuen Sendern, die bisher mangels Frequenzen nicht möglich waren.