Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute - und reiten hoch zu Ross zusammen gen Sonnenuntergang. Denkt man an Prinzen und Prinzessinnen, hat man schnell einmal Reifröcke und wallende Umhänge, holde Maiden und galante Jünglinge im Kopf. Dem Bild vom royalen Nachwuchs haftet oftmals der Feenstaub alter Disney-Filmrollen an. Das ist jedoch alles andere als zeitgemäß, geschweige denn realistisch. So teilen etwa Prinz Philip aus "Dornröschen" und sein realer Namensvetter aus dem englischen Königshaus kaum mehr als den Vornamen; Prinzessin Diana besitzt zu Lebzeiten und weit darüber hinaus ein deutlich markanteres Image als die schlafende Zeichentrick-Schönheit. Und auch auf der Leinwand ist die königliche Folgegeneration schließlich schon längst aus ihren zweidimensionalen Märchenschlössern und blankpolierten Harnischen ausgebüchst.

Das Narrativ selbst, an dem sich der Film "Plötzlich Prinzessin" (Do., 15,05, ATV) bedient, ist zwar wenig innovativ: Das 15-jährige Mauerblümchen Mia (Anne Hathaway) soll zur strahlenden Cinderella aufgemascherlt werden. Aber der Film holt das Aschenputtel-Motiv damit zumindest ins 21. Jahrhundert. Denn Mia lebt mit ihrer Mutter (Caroline Goodall) in einem exzentrischen Apartment in San Francisco. Aus dem Nichts eröffnet ihr ihre Großmutter väterlicherseits (Julie Andrews), dass sie eigentlich Prinzessin und bald auch Thronfolgerin des Königreichs Genovien sei. Um das schüchterne und etwas ungelenke Mädchen hoftauglich zu machen, gibt sie ihrer Enkelin Prinzessinnennachhilfe, was sich allerdings als von royalen Seufzern begleitete Mammutaufgabe erweist. Als dann auch noch die Klatschpresse von der neuen Thronfolgerin erfährt, nimmt das Unglück seinen Lauf: Mia ist plötzlich zwischen zwei Verehrern hin und her gerissen, enttäuscht ihre beste Freundin und entblößt sich ungewollt auf einer Strandparty. Was für manche vielleicht wie ein klassischer Samstagabend klingt, ist für eine zukünftige Königin von Genovien freilich weniger angemessen. Daher legt die enttäuschte Großmutter Mia auch nahe, auf die Thronfolge zu verzichten. Doch die nimmt nun die Zügel der Kürbiskutsche selbst in die Hand und rückt die Krone wieder zurecht. Dabei kommt sie nicht nur aus ihrem eignen Schneckenhaus, sondern lockert auch das Korsett des Königshauses ein wenig.

Einer, den nicht seine Herkunft sondern sein erstaunlicher Mut zum Prinzen macht, ist Prinz Dastan (Jake Gyllenhaal) in "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" (Do., 20.15, ServusTV). Als Straßenkind im Persien des sechsten Jahrhunderts adoptierte ihn König Sharaman (Ronald Pickup) aufgrund seines Mutes im Kampf gegen seine Soldaten. 15 Jahre später nehmen Dastan und seine Adoptivbrüder Tus (Richard Coyle) und Garsiv (Toby Kebbell) die heilige Stadt Alamut ein. Was zunächst wie ein Erfolg für den Perserkönig scheint, wird zu seinem Untergang: Prinzessin Tamina (Gemma Arterton), die Herrscherin der Stadt, überreicht Dastan einen Mantel, scheinbar als Geste der Ergebenheit. Doch als dieser seinen Ziehvater damit beschenkt, stirbt dieser qualvoll unter dem vergifteten Umhang. Sowohl Tamina als auch Dastan werden des Verrats bezichtigt - sie müssen fliehen. Auf dem Weg versucht die Prinzessin immer wieder, ihren unfreiwilligen Gefährten zu überwältigen, um an den kunstvoll verzierten Dolch zu kommen, den er im Kampf um Alamut an sich genommen hat. Denn dieser beinhaltet den Sand der Zeit, der es auf Knopfdruck möglich macht, in die Vergangenheit zu reisen. Und auf diesen Schatz hat es längst nicht nur die rechtschaffene Tamina abgesehen.

Moderne Filmprinzessin

Dass längst nicht mehr höfische Etikette und prachtvolle Kleider die Rolle der modernen Filmprinzessin ausmachen, sondern Mut und Durchsetzungskraft, beweist auch die 16-jährige Inselprinzessin Vaiana aus dem Animationsfilm "Vaiana - Das Paradies hat einen Haken" (Do., 18.10, ORF1). Sie ist die Tochter des Stammeshäuptlings Tui auf einer fiktiven pazifischen Insel. Immer schon zieht sie das offene Meer an, auf das sich ihre Stammesgenossen partout nicht hinauswagen. Doch als die Insel in Gefahr ist, begibt sich Vaiana zusammen mit dem Halbgott Maui auf eine abenteuerliche Reise auf hoher See, um den drohenden Untergang abzuwenden. Irgendwo fällt gerade eine Reifrock tragende, porzellangesichtige Prinzessin in Ohnmacht - Bibbidi-Bobbidi-Putsch.