Der Schädel brummt, der Magen rebelliert, die Psyche giert nach Fettigem. Schemenhaft blinken Erinnerungen an den vergangenen Abend auf. Literweise Wasser stürzen die Kehle hinab in der Hoffnung, das restpanierte Elend zu lindern. Ein durchzechter Abend gehört für viele mittlerweile zu einem ordentlichen Wochenende dazu. Doch was für die einen salonfähige Berauschung ist, wird für andere oft unverzichtbare Alltagsflucht.

Weltweit steigt der Alkoholkonsum stetig an, wie eine internationale Studie im Medizin-Fachblatt "The Lancet" zeigt. Von 1990 bis 2017 habe sich der Alkoholkonsum weltweit um 70 Prozent erhöht. Zwar haben Zentral- und Osteuropa immer noch den höchsten Spiegel, doch geht er inzwischen immer weiter zurück - auch in Österreich. Nahmen die 15- bis 99-Jährigen hierzulande laut Gesundheit Österreich etwa 1972 noch durchschnittlich 34 Gramm Alkohol zu sich, waren es 2015 nur mehr 25 Gramm. Das freut nicht nur die Leber. Denn ob ernsthafte gesundheitliche Schäden oder auch nur peinliche Entgleisungen - die Konsequenzen des exzessiven Rauschzustands lassen oft nicht lange auf sich warten.

Das spürt die Alkoholikerin Rachel Watson (Emily Blunt) in "The Girl on the Train" (So., 20.15, ORF1) auf tragische Weise am eigenen Leib. Täglich fährt sie mit dem Zug nach Manhattan und beobachtet durchs Fenster das scheinbar ideale Paar Megan (Haley Bennett) und Scott Hipwell (Luke Evans). Immer wieder träumt sie sich in das Leben der beiden. Doch eines Tages sieht sie, wie Megan sich mit einem Fremden vergnügt. Tief erschüttert steigt Rachel aus dem Zug aus. Von da an kann sie sich an nichts mehr erinnern, als sie am nächsten Tag blutverschmiert aufwacht und erfährt, dass Megan spurlos verschwunden ist. Sie versucht zunächst, zur Aufklärung beizutragen. Als die Vermisste allerdings ermordet aufgefunden wird, gerät Rachel schließlich selbst ins Visier der Ermittlungen. Aber nach und nach kehren ihre ausgeblendeten Erinnerungen an den fraglichen Tag wieder zurück und legen die Spur zum wahren Täter frei.

Volks- und andere Drogen

Ob Alkohol als Volksdroge Nummer eins oder andere Substanzen - der Sucht einmal verfallen, ist es ein Kraftakt sondergleichen, sich von ihr zu befreien. Der Kultfilm "Trainspotting" über eine Clique in Edinburgh führt vor Augen, wie sie einen mit hämischem Grinsen hartnäckig immer wieder einholt. Der junge Heroinabhängige Mark "Rentboy" Renton (Ewan McGregor) erzählt, dass er clean werden will. Wieder und wieder. Bis er seine Freunde am Ende bei einem Heroin-Deal abzieht und in ein neues Leben verschwindet. Im zweiten Teil "T2 Trainspotting" (So., 22.25, RTL) kehrt er nach 20 Jahren in seine Heimatstadt zurück. Nach seinem Abgang hatte er in Amsterdam gelebt und es tatsächlich geschafft, sich von Drogen fernzuhalten. Nicht so seine Freunde von früher: Mark kommt gerade noch rechtzeitig, um Spud (Ewen Bremner) davon abzuhalten, sich umzubringen, weil er seine Drogensucht nicht unter Kontrolle bringen kann. Sick Boy (Jonny Lee Miller) ist mittlerweile von Heroin auf Kokain umgestiegen und verdient sich nebenbei ein bisschen was dazu, indem er die Kunden der Prostituierten Veronika (Anjela Nedyalkova) erpresst. Zusammen wollen die beiden ein Bordell eröffnen - ein Projekt, in das sich Mark bereitwillig einbringt. Allerdings zum Missfallen der Gangster, die in der Stadt das unausgesprochene Puff-Monopol besitzen. Und auch das aus dem Gefängnis getürmte Cliquen-Mitglied Franco (Robert Carlyle) ist nicht besonders erfreut über Marks Rückkehr.

Wie schnell sich die Spirale auch in der Realität nach unten dreht, lehrt die Biografie des österreichischen Schauspielers Helmut Berger. Sie ist von Alkoholeskapaden und Skandalen gezeichnet. In den 1960er und 1970er Jahren europaweit gefeierter Filmstar und Parade-Beau, stürzte er nach dem Tod seines Lebensgefährten, der italienischen Regie-Ikone Luchino Visconti, in eine tiefe Krise. ORF2 zeigt anlässlich seines 75. Geburtstags am 29. Mai das Porträt "Helmut Berger - Der Verdammte" (So., 23.05), das von seinem turbulenten Leben, aber auch von seinem Aufraffen erzählt. Denn der einstige Skandalmeister hat mittlerweile dem Exzess abgeschworen und es geschafft, neu anzufangen. 2018 gab er sein Theaterdebüt an der Volksbühne Berlin.