"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!", skandieren Schüler freitags auf dem Heldenplatz. Seit vergangenem Jahr treibt die Klimakrise vor allem junge Menschen auf die Straße. Die "Fridays for Future"-Bewegung setzt sich weltweit für ein schlagkräftiges Umdenken in Sachen Klima- und Umweltschutzpolitik ein. Immer mehr Menschen wird die Dringlichkeit der Situation bewusst; durch die Klimakonferenz am 28. Mai 2019 in Wien hallten zahlreiche eindringliche Appelle. "Das ist nicht irgendein Notfall, sondern die größte Krise, die die Menschheit jemals gesehen hat", sagte etwa die 16-jährige Klimaaktivistin und Ikone der Klimaschutzbewegung Greta Thunberg. Denn das mit Treibhausgasen malträtierte Klima schlägt bereits unsanft zurück: Höhere Temperaturen, extreme Wetterlagen, Ernteausfälle und Artensterben sind schon Vorboten eines gekippten Systems. Während man noch die Verantwortung hin und her schiebt, blühen in Österreich die Zitronenbäume.

Das mag zwar aufs Erste harmlos, wenn nicht sogar für manche wünschenswert klingen. Doch sind die Zitrusfrüchte made in Austria tragische Kronzeugen dieses Wandels. Sie gedeihen hier deshalb so gut, weil die Durchschnittstemperatur des Landes in den vergangenen 100 Jahren um fast zwei Grad angestiegen ist. In Kärnten gibt es bereits einen erfolgreichen Zitronenbauern und in Versuchsanlagen im Marchfeld züchtet man exotische Pflanzen wie Amaranth aus Südamerika, um sich für die höheren Temperaturen zu wappnen. Denn zwei Grad mehr haben dramatischere Auswirkungen als Flipflops und Bermudahosen. Die Dokumentation "Der Traum vom Süden - Exotische Pflanzen in Österreich" (So., 10.05, 3sat) begibt sich auf die Spur dieser agrarischen Veränderungen.

Aber Anpassung allein ist es nicht, womit die Flora auf die Klimakrise reagiert. Die Pflanzenwelt kann nämlich auch wesentlich dazu beitragen, sich und ihre Umwelt davor zu schützen. Das machen etwa die Superpflanzen beispiellos vor. Wie Staubsauger der Natur können sie in ihren Blättern so viel Schwermetalle aufnehmen, dass sie verunreinigte Böden entgiften. Dieses Phänomen der Phytosanierung sieht sich die Doku "Superplants - Die blühende Revolution" (Sa., 21.50, Arte) genauer an. Wissenschafter haben bereits mehr als 500 Superpflanzen, sogenannte Hyperakkumulatoren, entdeckt. Wie viele es noch gibt, weiß niemand. Daher herrscht seit einigen Jahren ein weltweites Rennen um die Entdeckung neuer natürlicher Umwelt-Entgifter und ihrer Anwendungsbereiche. Und die sind wahrlich vielfältig: In England wächst etwa das Gebirgs-Hellerkraut auf den von Schwermetallen verseuchten Böden um stillgelegte Bleiminen und speichert Blei, Zink und Cadmium. In Albanien gewinnen Bauern mit Mauer-Steinkraut Nickel. Und in Nancy in Frankreich fragen sich Forscher, wie man mit Superpflanzen teure Edelmetalle wie etwa die Seltenen Erden, die in Handys und Computern verarbeitet sind, zutage fördern könnte. Die Möglichkeiten scheinen schier unbegrenzt - die florale Revolution gerade erst am Anfang. Damit gibt sie Hoffnung, dass Umweltschutz und Schwermetallabbau sich irgendwann nicht mehr ausschließen.

Ebenfalls lange unterschätzt ist die ungemeine Kraft der Pilze. Weder Pflanze noch Tier, brauchen sie nicht einmal Sonnenlicht und Luft zum Überleben. Kein Wunder also, dass sie Massenaussterben und andere Katastrophen spielend überdauerten. Sie wachsen sogar im Ewigen Eis und im Atomkraftwerk Tschernobyl. Und sie sind nicht nur unglaublich resistent, sondern haben die Erde von Beginn an auch wesentlich mitgestaltet. Sei es die Evolution der Tiere, die Entdeckung von Penizillin oder auch bloß Bier - immer hatten Pilze ihre Sporen im Spiel. Doch so hilfreich sie sind, so gefährlich können sie dem Menschen werden: Pilzsporen zeichnen etwa auch für mysteriöse Krankheiten verantwortlich. Die Dokumentation "Im Königreich der Pilze" (Sa., 22.40, Arte) taucht ein in das Reich der ältesten lebenden Organismen des Planeten und zeigt, wie sie ihn beeinflussen. Lernen können die Menschen immerhin noch eine ganze Menge von ihnen. Wie von der Umwelt generell. Denn wer weiß - vielleicht ist gegen die Klimakrise ja letztlich doch ein Kraut gewachsen.