Erhebliche Risiken

Solche Features mögen auf den ersten Blick attraktiv erscheinen. Doch sie bergen erhebliche Risiken für die Privatsphäre. Zwar ist die Reichweite der Sensoren auf wenige Meter begrenzt. Die Technik könnte aber sensible Raumdaten in Privatwohnungen erheben (zum Beispiel, wo jemand seine Möbel im Zimmer stehen hat) und verdächtige Gegenstände wie etwa Messer oder Schusswaffen detektieren.

Amazon hat vor einiger Zeit eine vernetzte Kamera namens Echo Look auf den Markt gebracht, mit der der Netzwerklautsprecher Echo mit Quasi-Sehfähigkeit ausgestattet wurde. Der Kunde kann per Sprachbefehl ("Alexa, mach ein Foto von mir") Fotos zweier verschiedener Outfits machen, die über die die sogenannte Style-Check-Funktion von einem Computer bewertet werden. Datenschützer befürchten, dass Amazon noch viel mehr aus den Ganzkörperfotos seiner Kunden ablesen kann, etwa ob sie schwanger, übergewichtig oder depressiv sind. Die Frage ist: Was sieht die Technik alles?

In einem dystopischen Szenario wäre denkbar, dass das Lidar-System Waffen erkennt und dies der Polizei mitteilt. Oder sich Amazon Echo automatisch abschaltet, wenn man dem Lautsprecher den Stinkefinger zeigt. Schon heute verweigert Siri mit dem pikierten Hinweis "Habe ich das verdient?" den Dienst, wenn man ihr "Halt die Klappe!" zuruft - der Sprachassistent schaltet dann auf den Home-Bildschirm.

Der französische Philosoph Michel Foucault beschrieb in seinem Werk "Überwachen und Strafen" (1976) Machtmechanismen in der Disziplinargesellschaft, "die das alltägliche Verhalten der Individuen, ihre Identität, ihre Tätigkeit, ihre scheinbar bedeutungslosen Gesten erfassen und überwachen". Das Leben in der Überwachungsgesellschaft hat zwei Seiten: Virtuelle Assistenten wie Siri und Alexa stehen rund um die Uhr zur Verfügung, der Nutzer aber auch permanent unter Beobachtung.