Wien ist bunt. Und das nicht nur, wenn im Prater wieder die Bäume blüh’n. Dass Wien zurzeit etwas bunter ist als sonst, das hat die Stadt ihrer Rolle als Gastgeberin der diesjährigen EuroPride zu verdanken. Das Hochfest der LGBTIQ-Community feiert die Vielfalt Jahr für Jahr mit schillernden Partys und unterschiedlichsten Events. Pompöser Höhepunkt ist dabei ohne Frage die alljährliche Regenbogenparade, die diesen Samstag beim Rathausplatz startet und in bunt geschmückten Wagen und Outfits eine Runde um den Ring dreht. Doch geht es dabei längst nicht nur um Spektralfarben und Glitzer alleine - im Gegenteil: Das Thema, das hinter der Pride steht, ist ein weitaus ernsteres, dringlicheres. Die LGBTIQ-Community steht gemeinsam auf für Akzeptanz und Gleichberechtigung unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität, für ein Überwinden der sozialen Differenzen.

Das ist besonders in diesem Jahr historische Tradition: Denn heuer jähren sich die Stonewall Riots bereits zum 50.Mal. In der Nacht von 27.auf 28.Juni 1969 wehrten sich Lesben, Schwule und Transgender-Personen gemeinsam gegen eine der damals üblichen gewaltsamen Razzien des Szenelokals "Stonewall Inn" in der Christopher Street. In einem mehrtägigen Protest versammelten sich immer mehr Menschen im Greenwich Village und traten offen für ein Ende der Diskriminierung ein. Im Gedenken an diesen wesentlichen Wendepunkt im Kampf für Gleichberechtigung feiert die LGBTIQ-Community seit den 70ern den Christopher Street Day - in Wien seit 1996 in Form der Regenbogenparade. Der Historienfilm "Stonewall - Aufstand für Gleichberechtigung" von Roland Emmerich hat am Sonntag auf SF2 Free-TV-Premiere (20.05) und erzählt die Geschichte des jungen Danny Winters (Jeremy Irvine), der aufgrund seiner Homosexualität aus seiner Kleinstadt vertrieben wird. Er zieht nach New York und erlebt ein buntes Gegenbild zu seiner prüden Heimat: die wilden, rauschenden, aber auch brisanten 60er. Schnell nimmt ihn die New Yorker Queerszene auf und er erlebt hautnah mit, wie sich die Situation im Stonewall Inn zuspitzt. Doch nicht nur bei den Aufständen selbst ist er dabei auch beim ersten Pride-Marsch.

So bunt die Regenbögen dieses Wochenende also strahlen, so dunkel und jung ist die Geschichte der Gewalt und Unterdrückung von Homosexuellen und anderen Angehörigen der LGBTIQ-Community. Bis in die 60er Jahre drohte homosexuellen Männern etwa die chemische Kastration; erst Anfang der 90er nahm die WHO Homosexualität von ihrer Liste der psychischen Krankheiten. Ein tragisches Beispiel der Auswirkungen dieser Hormonbehandlung ist die Biografie des Mathematikers und Allround-Genies Alan Turing, die der Film "The Imitation Game" (So., 20.10, SF2) erzählt. Im Kern geht es um Turings (Benedict Cumberbatch) Wirken in der Einrichtung "Government Code and Cypher School", die während des Zweiten Weltkriegs an der Entschlüsselung deutscher Funksprüche arbeitete. Turing entwickelt schließlich die "Turing-Bombe", eine elektromechanische Maschine, um die Kryptogramme der deutschen Schlüsselmaschine Enigma zu brechen. Zugleich erzählt der Film aber auch, wie Turing einige Jahre nach Kriegsende wegen "grober Unzucht und sexueller Perversion" verurteilt wird, weil er homosexuell ist. Um einer Gefängnisstrafe zu entgehen, unterzieht er sich einer Hormonbehandlung mit starken Nebenwirkungen. Zwei Jahre später nimmt er sich das Leben.

Und auch heute ist der Kampf gegen Diskriminierung noch nicht restlos gewonnen. Der Film "Freeheld - Jede Liebe ist gleich" (Sa., 22.30, SF2) thematisiert die bürokratischen Hürden, die sich gleichgeschlechtlichen Paaren oft in den Weg stellen. Er basiert auf der wahren Geschichte der US-Polizistin Laurel Hester (Julianne Moore). Als bei ihr Lungenkrebs diagnostiziert wird, will sie ihrer Lebensgefährtin Stacie Andree (Ellen Page), mit der sie in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, ihre Pension übertragen. Doch die Behörden sperren sich. So wird Hesters Kampf vom Sterbebett aus zum Politikum. Im Jänner 2006 gewährte man die Auszahlung. Knapp einen Monat später verstirbt Hester.