"Yeah! Ich bin’s, Sido. Was? Nein, nein, jetzt nicht!" Auch wenn das Intro von Sidos Song "Ich und meine Maske" zunächst vielleicht etwas diffus klingt, bringt es den Charakter der Maske doch in aller Lakonie auf den Punkt: Ich bin es und zugleich bin ich es nicht. Ob man damit nun die eigene Identität verschleiern oder in eine andere Rolle schlüpfen will, ob Ritus, Schauspiel oder doch bloß Villacher Fasching - die Maske sprengt die Ketten der eigenen Identität. Sie ist ein Versteck ohne Ort, ein blinder Fleck in aller Sichtbarkeit. Dass mit diesem Freifahrtschein zum Eskapismus nicht nur Positives einhergeht, ist klar. Denn bietet die Maske ihrem Träger den Schutz der Anonymität, kann sie die anderen bisweilen bis ins Mark erschrecken. Doch ist das längst nicht ihre einzige Spielart. Das Fernsehprogramm widmet sich daher den vielen Rollen der Rollenstifterin selbst.

Die Dokumentation "Markt der Masken - Alte Kunst aus Afrika" (Mi., 21.50, Arte) begibt sich auf die Spuren der afrikanischen Masken. Sie fragt nach der Rolle der geschnitzten Larven in ihrem Herkunftsland und ihrem Weg in europäische Museen, Galerien und Privatwohnungen. Damit legt sie den Finger in die Wunde einer brandaktuellen Debatte: Was davon ist widerrechtlich erstanden, was rechtmäßig erworben? Denn die Kunstwerke, die wir heute in europäischen Museen bestaunen können, sind oftmals Zeugnisse der kolonialistischen Ausbeutung. Ausgrabungen in Nigeria geben etwa neuen Aufschluss über die Nok-Kultur, deren schriftlose Kultur durch Raubgrabungen und Plünderungen der archäologischen Stätten drohte, in Vergessenheit zu geraten. Schon bald nach ihrer ersten Entdeckung wurden ihre Terrakotta-Figuren, die zur ältesten Figuralkunst südlich der Sahara zählen, zu begehrten Gütern auf dem internationalen Kunstmarkt. Artefakte finden sich heute in Museen von Boston bis nach Tirol. Die Doku spannt den Bogen zwischen Folklore und Zurschaustellung. Sie richtet die Scheinwerfer auf die Schöpfer wie auch auf
die Profiteure der afrikanischen Kunst.

Denn im Ritus hat die Maske schließlich ihren Ursprung. Kein Wunder, dass ihr in der Popkultur bis heute oftmals der Beiklang des Mystischen, fast Magischen anhaftet. Wie stark diese Magie tatsächlich sein kann - und wie schnell sie überhandnimmt -, erfährt Stanley Ipkiss (Jim Carrey) in "Jim Carreys Die Maske" (Mi., 21.50, ATVII) am eigenen Leib. Eigentlich führt der Bankangestellte ein durchschnittliches, wenn nicht etwas tristes Leben. Das soll sich allerdings bald ändern: In einem Fluss findet er eine grüne Holzmaske. Als er sie anprobiert, verwandelt er sich schlagartig in eine comicähnliche Figur mit grünem Gesicht, als die er sich nach allen Regeln des Cartoon-Kosmos austoben kann. Doch schon bald wird aus selbstbewusstem Schabernack grobe Hybris. Ipkiss spannt Gangster Dorian Tyrell (Peter Greene) nicht nur die Freundin (Cameron Diaz) aus, sondern kommt ihm dank der Maske auch bei seinem geplanten Bankraub zuvor. Das bringt ihm einen Gefängnisaufenthalt und einen erbosten Widersacher ein. Als dieser dann auch noch selbst die Maske in die Finger bekommt, droht die Situation endgültig außer Kontrolle zu geraten.

Doch müssen Masken im Film nicht immer gleich zur gewalttätigen Eskalation führen. Bisweilen sind sie auch ideales Motiv für die klassische Verwechslungskomödie. Im österreichischen Schmähklassiker "Hallo, Dienstmann" (Do., 11.15, ORF2) ist es wie so oft ein Maskenball, der den Alltag aus den Fugen reißt. Dafür hat sich der Musikprofessor Ferdinand Godai (Paul Hörbiger) nämlich als Dienstmann verkleidet, ohne damit zu rechnen, dass ihn der echte Dienstmann Anton Lischka (Hans Moser) danach beim Frühschoppen für einen echten Kollegen hält und ihn um Hilfe bittet. Godai willigt ein, zumal er ein Auge auf Gaby Brandstätter (Maria Andergast) geworfen hat, deren Gepäck sie zu ihr nach Hause transportieren sollen. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Brandstätter tritt am folgenden Tag ihre Stelle als Godais Assistentin an. In ihrem Haus angekommen, verliert der illuminierte falsche Dienstmann seine Zigarettendose. Ein Beweisstück, das seine Maskierung entlarvt.