Wen es dieser Tage frösteln möchte, der könnte sich ja den Fernseher aufdrehen. Es ist eine der bedrückendsten Serien, die das Fernsehen derzeit zu bieten hat: "The Handmaid’s Tale", beruhend auf dem gleichnamigen Roman von Margaret Atwood. Der erzählt von einem dystopischen Gottesstaat, in dem Frauen keine Rechte mehr haben. Sie dürfen nicht lesen, sie dürfen kein Eigentum, also auch kein eigenes Geld haben, und manche von ihnen werden als sogenannte "Handmaids" gehalten - das sind Sklavinnen, die kinderlosen Paaren der Oberschicht Nachwuchs gebären müssen. Und das nicht etwa durch künstliche Befruchtung. Die Serie ist deshalb so schwer zu ertragen, weil sie trotz der bizarr anmutenden Handlung eine unheimliche Normalität ausstrahlt. Das macht sich seit einiger Zeit eine Protestbewegung zunutze, die immer größer wird. Von Argentinien bis in die USA, von Großbritannien bis Spanien ziehen sich Frauen die leuchtend roten Kutten an und setzen sich das weiße, gestärkte Häubchen auf. Erstmals geschah das in Irland, wo eine dergestalt unübersehbare Menschenwand gegen Abtreibungsverbote demonstrierte. Mit der Zeit wurde das Kostüm und seine kraftvolle optische Aussage zum modernen Protestsymbol für Frauenrechte und feministische Anliegen.

Ein Parlamentssprenger
als Idol für Hacker

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Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Protestkultur bei der Popkultur bedient (wobei sie sich streng genommen hier bei der Literatur bedient). Das bekannteste Beispiel ist sicher das Antlitz eines Mannes, der bis dahin vor allem Kennern der britischen Geschichte geläufig war. Guy Fawkes wollte als Protest gegen die Ächtung seiner katholischen Religion 1605 das Parlament sprengen - und mit ihm den regierenden König James I. Jahrhundertelang wurde der Tag des Anschlags, der 5. November, gefeiert, wobei sich die Bedeutung im Lauf der Zeit von der Feier des Überlebens des Königs zu einer anarchiefreudigen Würdigung des Attentäters wandelte.

Eine "Handmaid" protestiert gegen Abtreibungsverbote. - © Seth Herald/afp
Eine "Handmaid" protestiert gegen Abtreibungsverbote. - © Seth Herald/afp

Zum Symbol des Widerstands wurde er schließlich durch einen Comic von Genremeister Alan Moore und Zeichner David Lloyd. Für "V for Vendetta" zogen die beiden dem Rächer an einem faschistischen Großbritannien Fawkes’ Hut und Umhang an und gaben ihm dessen Gesicht - via Maske. Eine Maske, die schließlich ikonisch werden sollte: als Symbol der Anonymous-Bewegung. Die Aktivisten, die in den 2000ern mit Hacker-Angriffen auf CIA, Ku-Klux-Klan oder Scientology Schlagzeilen machten, wählten das seltsam grinsende Gesicht als Verhüllungs- und Markenzeichen. Hier fand das Protestsymbol übrigens auch wieder den Weg zurück in die Popkultur. In der Hacker-Serie "I, Robot" nutzt das dort tätige Kollektiv die Maske eines gealterten Guy Fawkes.