Vor 200.000 Jahren streifte der erste Homo sapiens durch die afrikanische Savanne, heute umfasst die Weltbevölkerung mehr als sieben Milliarden Menschen. Als unsere Spezies in Afrika entstand, lebten noch andere, ältere Menschenarten. Welche Rolle spielten sie in unserer Evolution? Die Dokureihe "First Peoples" stellt aktuelle Erkenntnisse der Evolutionsforschung vor. Die letzten drei Teile von "Einer von uns: Der Homo sapiens" (Sa., 20.15, Arte) bringt Arte am Samstag im Rahmen eines Schwerpunkts.

Als die ersten Menschen nach Australien kamen, waren sie allein, vom Rest der Welt abgeschnitten und umgeben von fremden Pflanzen und Tieren. Wie konnten sie überleben und einen ganzen Kontinent bevölkern? Um eine Antwort auf diese Fragen zu finden, vergleichen australische und europäische Forscher die DNA 40.000 Jahre alter menschlicher Überreste aus dem Mittelpaläolithikum mit den Erbinformationen der Aborigines, die noch heute in Australien ansässig sind. Haarproben der Ureinwohner Australiens geben Aufschluss über ihren Verwandtschaftsgrad zu den ersten Einwanderern des Kontinents. Die Erforschung enthüllt erstaunliche Schnittstellen zwischen entfernter Vergangenheit und moderner Geschichte. Die Sendung unternimmt eine Reise durch die Urzeitgeschichte Australiens, beleuchtet den ersten und wohl einzigen Migrationsstrom der Menschen während der Eiszeit vor mehr als 50.000 Jahren und zeigt Höhlenmalereien und Funde eines bestatteten Leichnams, die beweisen, dass schon zu jener Zeit ein Bedürfnis nach Spiritualität und religiösen Bräuchen herrschte.

Lange Zeit galt der Neandertaler als dümmlich und man nahm an, der kognitiv überlegene Homo sapiens habe ihn ausgerottet. Doch was, wenn diese Vermutung falsch war und die beiden eng verwandten Spezies sich stattdessen paarten? Der vierte Teil von "Einer von uns: der Homo sapiens" geht dieser Frage auf den Grund. 2010 gelang es dem Team um Svante Pääbo am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie erstmals, den genetischen Code eines Neandertalers teilweise zu entschlüsseln. Das ermöglichte den Wissenschaftern den Vergleich seines Erbmaterials mit dem heutiger Menschen auf der ganzen Welt. Das Ergebnis war verblüffend: Auf allen Kontinenten außer in Afrika weisen die Genome der Menschen auf die Kreuzung mit dem Neandertaler hin; ein bis drei Prozent ihrer DNA stimmen mit seiner überein. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass der Homo sapiens auf den Neandertaler stieß und sich mit ihm paarte, jedoch erst, als er Afrika verließ und die anderen Kontinente bevölkerte.

Wie kam man übers Meer?

Weil immense Eisschichten bei Alaska lange den Weg über den Atlantik versperrten, waren Nord- und Südamerika die letzten Kontinente, die vom Homo sapiens erobert wurden. Wann begann die Besiedlung des Kontinents? Bis in die 1980er Jahre glaubte man, die ersten Amerikaner stammten aus der Clovis-Kultur, die vor rund 13.000 Jahren nach New Mexico kam. Die der Clovis-Kultur angehörenden Paläoindianer sollten den Beginn der Besiedlung Amerikas markieren. Pfeilspitzen aus Feuerstein gaben darüber wertvolle Hinweise. Doch dann widerlegten im Jahr 2008 spektakuläre Funde im mexikanischen Bundesstaat Yucatán diese Theorie: Sie wurden von den Wissenschaftern auf hunderte Jahre früher datiert. Das Archäologenteam um Arturo González fand die ältesten menschlichen Überreste auf nordamerikanischem Boden. Sie stammen von einer etwa 1,40 Meter großen Frau, der die Wissenschafter den Namen Eva de Naharon gaben. In einem Höhlensystem unter Wasser, der Sistema Naranjal, stießen Taucher auf deren Knochen. Insgesamt konnten die Archäologen dort acht Skelette bergen, eine der größten Ansammlungen menschlicher Überreste, die je an einem Ort in Nordamerika gefunden wurden.

Doch auf welchem Weg kam der Homo sapiens nach Amerika? Lange galt es als erwiesen, dass die ersten Menschen während der Eiszeit von Sibirien auf dem Fußweg, das heißt über eine breite Landbrücke, wo heute die Beringstraße ist, nach Amerika einwanderten. Neueste Forschungsergebnisse legen jedoch nahe, dass der Mensch viel früher - etwa um 16.000 vor Christus - in die Neue Welt aufbrach, und zwar nicht auf dem Land-, sondern auf dem Seeweg. Die Besiedelung Amerikas ist ein umstrittenes Thema, das in der Wissenschaft besonders seit der Entdeckung der Überreste des Kennewick-Mannes kontrovers diskutiert wird.