Eugen A. Russ. - © apa
Eugen A. Russ. - © apa

Bregenz. (bau) Vorarlberg ist (zumindest aus Wiener Sicht) nicht immer Mittelpunkt der Medienwelt. Aber wenn der Vorarlberger Medienunternehmer Eugen A. Russ ("VN") spricht, etwa bei den Medientagen in Wien, hören alle zu. Denn es gibt sehr wenige Medienunternehmer, die auch im schwierigen Umfeld stets mehr richtig als falsch gemacht haben. Schon seit den Achtziger Jahren ist Russ, damals ein junger Mann, im Geschäft. Der Erfolg seines mittlerweile internationalen Verlagshauses geht jedoch weit länger zurück, wie die anstehende 100-Jahre-Feier zeigt.

Mit dem Erwerb einer Buchdruckerei legte Eugen Ruß, Großvater von Eugen A. Russ, im Juli 1919 den Grundstein für das heutige Medienunternehmen Russmedia. Seinen 100. Geburtstag begeht der Konzern am Samstag mit einem Tag der offenen Tür am Sitz in Schwarzach, bei dem Print-, Radio- und Online-Redaktionen sowie die Druckerei für die Besucher zugänglich sind.

Am 14. Juli 1919 kaufte der 1877 geborene Eugen Ruß mit der Buchdruckerei in Bregenz auch den Verlag der "Vorarlberger Landeszeitung", der Vorgängerin der "Vorarlberger Nachrichten" ("VN"). Ruß wurde zum verantwortlichen Schriftleiter der Landeszeitung. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten übersiedelte die Firma 1929 in die Bregenzer Kirchstraße, wo ein ehemaliges Gasthaus zur Druckerei umgebaut wurde.

Nachdem die Nationalsozialisten das Blatt 1938 verboten, erschien die Tageszeitung 1945 wieder, anfangs als Lizenzblatt der französischen Besatzung und Dreiparteienblatt von SPÖ, ÖVP und KPÖ. Ruß setzte schließlich durch, dass die "Vorarlberger Nachrichten" mit 16. November 1945 als parteiunabhängige Zeitung starten durften. Ruß fungierte in der Folge als Herausgeber und Verleger, sein Sohn Toni Ruß als Chefredakteur.

Nach dem Tod von Eugen Ruß 1962 übernahm Toni Ruß die Geschäfte und machte das Unternehmen zum Vorarlberger Marktführer, er starb jedoch 1969. Zunächst wurde seine Frau Rosa Ruß Herausgeberin, sein Schwager Richard Kempf kaufmännischer Leiter. Bereits 1981 trat Eugen A. Russ mit Anfang 20 ins Unternehmen ein, 1983 wurde er Geschäftsführer und "VN"-Chefredakteur. Er übernahm das Wochenblatt "Wann & Wo" (1984), die "Neue Vorarlberger Tageszeitung" (1990) und entwickelte den Verlag auch in technischer Hinsicht - die "VN" erschienen 1993 als nach eigenen Angaben erste Tageszeitung der Welt durchgehend vierfarbig - zu einer breit aufgestellten Mediengruppe.

Digital-Einstieg 1995

Schon früh setzte das Unternehmen auf das Digitale. 1995 ging das regionale Internet-Portal VOL.AT online, über die Teleport (heute Russmedia IT) bot das Unternehmen auch Breitband-Internet über Kabel-TV und regionale Festnetz-Telefonie. 1998 ging das Privatradio Antenne Vorarlberg on air.

Im selben Jahr startete Eugen A. Russ mit der Übernahme der Funk Verlag in Ungarn das Engagement der Gruppe in Ungarn und Rumänien mit regionalen Nachrichtenportalen und Zeitungen, später Kleinanzeigen- und Nischenportalen sowie Job-Börsen. 2017 verabschiedete man sich von den osteuropäischen Zeitungen, um sich auf digitale Angebote zu konzentrieren.

Zugleich wurden alle digitalen Aktivitäten der Gruppe in der Russmedia Digital Holding gebündelt. Dass die Gruppe in dem Bereich ihr Wachstumspotenzial sieht, zeigt sich auch mit dem Einstieg von Eugen B. Russ (33), dem Sohn von Eugen A. Russ, in die Leitung der Russmedia International AG und die Gruppenholding zum 1. Oktober 2018. Mit ihm trat die vierte Generation in die Geschäftsführung ein.

Die Russmedia International AG investiert in digitale Marktplätze und stark wachsende Start-ups. Heute bezeichnet sich Russmedia als "progressivstes Multi-Nischen-Medienunternehmen Europas" und beschäftigt rund 1000 Mitarbeiter, davon 500 im digitalen Bereich.