Wien. In einem klassischen gastronomischen Betrieb muss der Kellner einige Male zu den Gästen an den Tisch: um die Bestellung entgegenzunehmen, um das Essen zu servieren, um den Tisch abzuräumen, um schließlich die Rechnung zu bringen. Im Drehrestaurant Allalin, in den Walliser Alpen spektakulär auf 3500 Metern Höhe gelegen, sind die Abläufe jedoch etwas anders. Zumindest bei manchen, technisch entsprechend ausgestatteten Gästen. Auf ihrem Smartphone-Display erscheint, sobald sie das Restaurant betreten, die Menükarte mit allen Getränken und Speisen. Statt nun wie üblich auf den Kellner zu warten, tippen die Gäste ins Handy, was sie haben wollen, eine Walliser Bauernsuppe mit Kartoffeln zum Beispiel und vielleicht noch als Extrawunsch glutenfreies Brot dazu. Dann klicken sie auf "Bestellen" ¨- und schon geht die Order auf direktem Wege in die Restaurantküche.

Etwas später, wenn das Gewünschte an den Tisch gebracht wird, begegnen sich Kellner und Gäste zum ersten Mal. Und zum letzten Mal, wenn die Teller mitgenommen werden. Denn nach dem Verzehr der Speisen ist es nicht mehr nötig, auf die Rechnung zu warten: Mit der Bestellung via Smartphone wurde auch gleich die Bezahlung erledigt. Die Gäste können sofort gehen.

"Menu" heißt die App, die Restaurantbesuche solcherart digitalisiert. Den gleichen Namen trägt das Schweizer Unternehmen dahinter. Karl Heinz und Marlon Koch, Vater und Sohn, haben Menu gegründet. Sohn Marlon ist für die Technik zuständig, Vater Karl Heinz lenkt als CEO den geschäftlichen Part. Und der entwickelt sich gut. Zu den Kunden gehören kleinere Schweizer Ketten und große Schweizer Gastronomiegesellschaften. Zudem sind die Kochs in Deutschland, Spanien, England, Frankreich und Skandinavien präsent. Auch Gespräche mit österreichischen Ketten laufen, und der Sprung über den Atlantik in den US-Markt steht bevor. Worauf die Kochs vor allem achteten bei der Entwicklung der App: Sie muss flexibel einsetzbar sein. Und das ist auch der Fall. Die Gäste können nicht nur im Restaurant bestellen, sondern auch außerhalb.

Personalmangel akut

Vorbestellungen für Take Away und den Verzehr im Restaurant sind genauso möglich wie klassische Bestellungen am Tisch. Auch wenn der Kellner die Bestellung schon aufgenommen hat, kann die Bezahlung später wieder über die App laufen. Die App passt sich zudem an das Markendesign des Restaurants an. Als sogenanntes White Label. Karl Heinz Koch: "Die Gäste sehen dann nur das Restaurant-Branding. Sie sehen nicht, dass wir der Lösungsanbieter sind." Per App lässt sich auch personalisiertes Marketing betreiben. Das heißt, Restaurants bieten Gästen einen Rabatt auf deren Lieblingsgericht an oder gratulieren ihnen mit Sonderangeboten zum Geburtstag. Die schnelle Kommunikation soll höhere Stammgästezahlen bringen. Das Interesse der Gastronomie an digitalen Lösungen nimmt laut Koch stark zu.