Der Sommer ist für viele noch immer die Zeit der Flugreisen. Dass das nicht immer so war, zeigt Arte am Samstag mit einem Schwerpunkt zum Thema "Auf hoher See." Den Start macht die zweiteilige Dokumentation "Ozeanriesen" (Sa., 20.15, Arte). Es wird rasch klar: Nicht immer war eine Seereise ein Vergnügen. "Der Tag verging mit Schlafen und Essen in dem üblichen benommenen Halbübelkeitszustand", notierte Thomas Mann auf dem Weg nach Amerika. Die Reise über den Atlantik war in früheren Zeiten zeitaufwendig, lästig, oft sogar ein Abenteuer.

Seit 1840 gibt es Dampfschiffe im Liniendienst zwischen den Kontinenten. Die Schiffe wurden größer, die Segel verschwanden und ab der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert waren es wahre Ozeanriesen. Sie wurden zum Mythos. Ein Mythos, der mit dem Aufkommen der Konkurrenz der Düsenflugzeuge unterging. Die Dokumentation macht sich auf eine Spurensuche: in Belfast beim riesigen Trockendock der "Titanic", in Cherbourg im gigantischen Gare Maritime, in den Hapag-Hallen in Cuxhaven. Nur noch ein paar Schiffe führen den Mythos noch heute fort: die moderne "Queen Mary 2", die für sich in Anspruch nimmt, der einzige verbliebene Atlantik-Liner zu sein, die "United States", die im Dornröschenschlaf im Hafen von Philadelphia liegt, oder die kleine "Astoria", die in einen der spektakulärsten Schiffsuntergänge des vergangenen Jahrhunderts verwickelt war.

Aber nicht nur Menschen wollen mit Stil transportiert werden, wie "Klar zur Wende" (Sa., 22.00, Arte) zeigt. Andreas Lackner transportiert mit seinem Frachtsegelschiff "Tres Hombres" derzeit als einziger Reeder regelmäßig Waren über den Atlantik. Ohne Motor, allein mit der Kraft des Windes. Mit seiner zehn Mann starken Reederei setzt der Kapitän ein Zeichen für eine klimafreundliche Schifffahrt. Mehr als 90 Prozent des weltweiten Frachtaufkommens werden über die Meere transportiert, zumeist auf schwerölbetriebenen Containerschiffen. Dieser globale Warentransport per Schiff wird in den nächsten Jahren noch größere Ausmaße annehmen. Damit wächst auch die Gefahr für Mensch, Umwelt und Klima. Zum einen belasten die Schadstoffwolken der Ozeanriesen die menschliche Gesundheit und das Ökosystem, zum anderen entstehen große Mengen an CO2, die das Klima schädigen. Andreas Lackners Vision von der windgetriebenen Fortbewegung auf hoher See ist so alt wie die Menschheit. Nun greifen moderne Frachtsegelschiffe diese Entwicklung wieder auf. In mehreren Ländern arbeiten Experten an Hybridschiffen. Das sind Schiffe, die sowohl mit Segeln als auch mit Motorkraft fahren können. In Holland wird der Ecoliner entwickelt und in Großbritannien das B9-Ship - diese Hightech-Frachtsegler nutzen die Kraft des Windes besser als jedes Großsegelschiff der Vergangenheit. Die Rückkehr der Windkraft auf hoher See könnte den Ausweg aus der Umwelt- und Klimakrise bringen. Experten schätzen, dass bis 2050 moderne Frachtsegler einen großen Teil der weltweit fahrenden Schiffe darstellen werden. In Zeiten knapper werdender Ölreserven und steigender Energiepreise ist die Nutzung der Windenergie wieder attraktiv.

Wer los fährt, will allerdings auch irgendwo ankommen. Das zeigt die Doku "Hafen der Zukunft" (22.50, Arte). Trotz sinkender Umsätze und einiger Reederpleiten: Dem Größenwachstum der Containerschiffe scheinen keine Grenzen gesetzt. Wie reagieren die Häfen auf die damit verbundenen Herausforderungen? Olaf Merk vom International Transport Forum (ITF) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht dieser Frage nach. Er begutachtet die Häfen von Hamburg, Rotterdam und Dubai, spricht mit Verantwortlichen über Zukunftspläne und Strategien.

Der Hafen Jebel Ali in Dubai setzt auf Expansion und baut ein Terminal nach dem anderen ins Meer. Doch ist das angesichts des rückläufigen Welthandels überhaupt sinnvoll? Im Hamburger Binnenhafen ist Flächenwachstum dagegen unmöglich. Welche Strategie haben sich die Hafenbetreiber hier überlegt? Rotterdam hat die ersten voll automatisierten Terminals der Welt. Wird der Arbeiter hier zukünftig überflüssig und das Terminal zum menschenleeren Industriegebiet? Die Digitalisierung hat im Hafen längst Einzug gehalten. Führerlose Fahrzeuge, sogenannte Automated Guided Vehicles fahren selbstständig die Ladung zum Lager. Container werden aus einem Bürogebäude per Joystick gelöscht. Wenn das die Gegenwart ist, wie sieht die Zukunft aus?