Kiew/Wien. Nach dem Angriff auf einen ukrainischen Fernsehsender am Samstag hat die international tätige Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen (ROG) höhere Sicherheitsmaßnahmen für Journalisten gefordert. "Medienschaffende dürfen als Konsequenz ihrer Arbeit nicht mit gewaltvollen Angriffen rechnen müssen", erklärte die österreichische ROG-Präsidentin Rubina Möhring am Montag in einer Aussendung.

Für ROG sei es wichtig, "dass ungeachtet der politischen Situation der Ukraine Medienschaffende nicht unter Beschuss geraten dürfen", betonte Möhring, und sie appellierte: "Die körperliche Unversehrtheit prorussischer sowie proukrainischer Berichterstatter muss umfassend gewährleistet werden."

Angebliche pro-russische Propaganda

In der Ukraine ist am Samstag, 13. Juni, eine Fernsehstation mit einem Granatwerfer beschossen worden. Die Behörden in Kiew sprachen von einem "terroristischen" Anschlag, nachdem der Sitz des TV-Senders "112 Ukraine" in Kiew in der Nacht auf Samstag angegriffen worden war. Nach Angaben der Polizei gab es keine Verletzten, die Fassade wurde aber beschädigt.Der Sender hatte zuvor angekündigt, eine Dokumentation mit einem Interview mit Russlands Präsident Wladimir Putin ausstrahlen zu wollen. Der Sender gehört dem pro-russischen Abgeordneten Taras Kozak. Die Fernsehstation war wenige Tage vor dem Angriff von der ukrainischen Staatsanwaltschaft verwarnt worden, nachdem sie die Ausstrahlung der Dokumentation über die Ukraine des US-Regisseurs Oliver Stone angekündigt hatte. Die ukrainische Generalstaatsanwaltschaft sprach von einem "russischen Propagandafilm".

Der Sender teilte dann am Freitag mit, er habe "eine direkte Drohung mit einem physischen Angriff" von ultranationalistischen, ukrainischen Gruppen erhalten.

Nach dem Angriff verzichtete der Sender auf die für Dienstag geplante Ausstrahlung der Dokumentation, um nach eigenen Angaben ein Verfahren und Sanktionen durch die ukrainischen Behörden zu vermeiden. (apa)