Wien. Wenn man derzeit Experten nach einem aktuellen Hype fragt, dann bekommt man neben Algorithmen immer auch das Wort Podcast zu hören. Das gesprochene Wort digital verteilt, soll neue Kundensegmente ebenso erschließen, wie neue Werbeformen. Interessant ist diese Thematik vor allem deshalb, weil Podcasts wahrlich keine neue Entwicklung sind, sondern eher - ganz nach dem Motto "Totgesagte leben länger" - eine Renaissance erleben.

Kaum erblickten die ersten Online-Medien Ende der 1990er Jahre das Licht der Welt, wollten die Unternehmen den Kunden auch schon die ganze Palette an Vorzügen der multimedialen Welt eröffnen. Am Anfang standen Text und Bild - Video und Audio sollten folgen. Doch leider waren die Bandbreiten der ersten Internetverbindungen bei Weitem noch nicht auf diese Datenmengen ausgelegt. Kaum waren die technischen Voraussetzungen geschaffen, folgte die erste Blütezeit der Podcasts, die dann jedoch bald durch den Boom der Onlinevideos und Streaming-Dienste in eine Nische gedrängt wurden.

Doch die Zeiten wandeln sich und wer immer etwas auf sich hält, setzt nun auf das Pferd namens Podcast. Texte hören, während man mit dem Auto fährt, kocht oder in den sozialen Netzwerken unterwegs ist, ist nicht nur bei jungen, sondern auch jung gebliebenen Mediennutzern eine beliebte Art der Nachrichtenkonsumation. Ob Hörbuch, Radiobeitrag, vorgelesene Zeitungsartikel oder gänzlich neue und eigens produzierte Inhalte - es kommt Sprache in das Internet. Und wie so oft bei Hypes und Trends wollen die großen Onlinefirmen ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Die aktuellen Marktführer - Spotify und das bereits vor mehr als zehn Jahren gegründete Stitcher Radio - bieten zu jedem Thema und für jeden Geschmack Podcasts an und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Erfolgsfaktor Exklusivität

Um im Wettlauf um den Podcast-Thron mitzuhalten, versuchen nun auch Amazon und Apple mit neuen Initiativen zu punkten. Wie schon bei Streaming-Diensten lautet das Credo Exklusivität. Prominente Sprecher und bekannte Serien werden ausschließlich über die hauseigenen Kanäle verteilt - gegen eine entsprechende Gebühr natürlich. Zudem sollen die Produzenten der Inhalte mit besseren und umfangreicheren Produkten versorgt werden, um ihnen eine professionellere Gestaltung und mehr Auswertungstools in die Hand zu geben. Somit wird natürlich auch eine engere Bindung an den Plattformanbieter sichergestellt. Apple will daher mit neuen Funktionen in seinen Podcasts-Apps, vor allem auch für die Inhalte-Hersteller, verstärkt auf den Markt drängen.

Auch wenn sich die Zahl der Podcast-Nutzer in den letzten fünf Jahren, nach neuen Zahlen der Marktforscher, verfünffacht hat, ist der Werbemarkt und sind auch die Einnahmen noch überschaubar. Allerdings sorgt Apples überarbeitete App für Aufsehen, da Analysten nun mit einem Großangriff auf die bestehenden Dienste rechnen. Viel wird auch darüber spekuliert, wie in Zukunft neue Werbeformate integriert werden können oder auch sollen. Im Unterschied zu Videostreaming-Diensten könnten die großen Unternehmen ihre Podcasts schon früh mit Werbeunterbrechungen auf den Markt bringen, um so eine schnellere Refinanzierung zu erreichen. Gegen diese Annahme spricht, dass bestehende Anbieter, wie Spotify und Co., mit einem werbefreien Service wohl wenige Kunden an die neuen Konkurrenten verlieren würden.

Auch wenn es bei Weitem noch kein so lukratives Geschäft wie der Appstore oder der TV-Markt ist, wird es kurzfristig zu einer Marktbereinigung kommen. In den US-Medien werden bereits die ersten Übernahmekandidaten genannt, die die Aufmerksamkeit der großen IT-Konzerne auf sich gezogen haben und wohl bald auf lukrative Angebote hoffen können. Für die Konsumenten bleibt nur abzuwarten und zu hoffen, dass die Kosten nicht wesentlich steigen und Werbeeinschaltungen in einem möglichst erträglichen Maße erfolgen.