Berlin. Das Ziel ist fast erreicht: Der US-Finanzinvestor KKR steht kurz vor dem Einstieg beim Axel-Springer-Verlag. Bis Donnerstagabend hätten knapp 19,2 Prozent des Grundkapitals das Übernahmeangebot der Amerikaner für die Aktien des Medienkonzerns mit Sitz in Berlin angenommen, teilte KKR am Freitag mit. Der Finanzinvestor will nur einsteigen, wenn er mindestens 20 Prozent der Anteilscheine einsammeln kann.

Dies gilt nun als wahrscheinlich. Denn das Angebot läuft noch bis Freitagabend Mitternacht. Fachleute gehen davon aus, dass sich viele institutionelle Anleger erst kurz vor Schluss entscheiden. Springers Vorstand und Aufsichtsrat hatten den Aktionären empfohlen, ihre Papiere für den gebotenen Preis von je 63 Euro an KKR zu verkaufen. Europas größter Digitalverlag holt sich den US-Investor ins Haus, um sein langfristiges Wachstum zu finanzieren.

Bleibt die "Welt"?

Mit KKR werde Springer in den kommenden Jahren erheblich investieren können, erklärte Finanzvorstand Julian Deutz. Kürzlich hatte Springer erklärt, dass die Zeitungen, digitalen Angebote und der TV-Sender der "Welt" auch nach dem Einstieg von KKR nicht zur Disposition stehen. Die "Welt"-Gruppe sei ein "wesentlicher Teil der Zukunftsstrategie" von Springer.

In der mehr als 200-seitigen Angebotsunterlage von KKR wird die Fortführung der "Welt"-Gruppe "unter der Voraussetzung einer angemessenen Steuerung der Ergebnissituation" festgeschrieben. Alle Angebote von Springer seien langfristig an eine positive Ertragsentwicklung gekoppelt, hatte eine Sprecherin dazu erklärt. Friede Springer hält am Konzern 37,5 Prozent über die Axel Springer Ges. für Publizistik und direkt weitere 5,1 Prozent. Döpfner hält 2,8 Prozent. 2018 erwirtschaftete das Unternehmen 71 Prozent der Erlöse und 84 Prozent des Gewinns mit digitalen Umsätzen.