Wien. Die Verträge gehen im Wesentlichen auf das Jahr 1987 zurück. Da war Deutschland durch die Mauer geteilt, Österreich war nicht EU-Mitglied und das Internet bestenfalls eine Idee in Forscherkreisen. Damals stieg die deutsche WAZ, heute Funke Mediengruppe, mit 50 Prozent bei der "Krone" ein - damals uneingeschränkter Marktführer. 2003 wurden die Verträge nochmals für die Eigentümerseite Dichand nachgebessert. Selten zu sehende Vorrechte wie ein geschäftsgang-unabhängiger Vorab-Gewinn oder das alleinige Sagen in redaktioneller Hinsicht sind bei Hälfte-Partner so ja nicht gerade üblich.

Da sich die Welt seit damals weitergedreht hat und die Medien-Krise auch die "Krone" im Griff hat, wollte Funke schon länger unter Partnern üblichere Verhältnisse herstellen. Üppige Gewinne, aus denen der Vorab-Gewinn gezahlt werden könnte, gibt es nicht mehr, also muss der deutsche Partner dafür aufkommen. Was eine gewisse Asymmetrie offenbart, die es in besseren Zeiten natürlich nicht gab.

Seit Jahren im Clinch

Der Streit zwischen den Partnern wird seit Jahren mit aller Härte geführt. Nun könnte ein vertraglich vorgesehenes Schweizer Schiedsgericht eine Lösung finden - und damit wohl auch den Gordischen Knoten durchschlagen. Bekommt die Dichand-Seite recht, ist die "Krone"-Beteiligung für Funke ohne Wert. Bekommt Funke recht, freut das nicht nur die Deutschen, sondern auch Immo-Unternehmer Rene Benko: Er kaufte im Vorjahr überraschend die Hälfte der Funke-Anteile und löste damit eine neue Eiszeit im Haus aus. Bekommt Funke nun recht, wird der Verlag wohl auch die andere Hälfte an Benko verkaufen und den Mantel des Schweigens über die glücklose Beteiligung legen. Benko könnte dann, gestärkt mit neuen Rechten, in der "Krone" für Veränderung sorgen.

Denn Benko gilt als sehr entschlossener Unternehmer, der sehr zielstrebig auf Ziele zugeht. Beobachter wollen in den vergangenen Wochen sogar eine gewisse Annäherung zwischen Christoph Dichand und Rene Benko gesehen haben, wie der "Standard" berichtete. Das macht durchaus Sinn. Stärkt das zu erwartende Urteil die Dichand-Seite nicht, wird man sich wohl arrangieren müssen.

Gut möglich, dass Dichand den neuen Mitgesellschafter auch als Chance und nicht nur als Bedrohung wahrnimmt. Das wäre freilich neu. Schließlich schoß die "Krone" aus allen Rohren, als der Benko-Deal ruchbar wurde. Nichts weniger als die Unabhängigkeit der "Krone" gelte es zu verteidigen, hieß es.

Schon im April hatte Benko Dichand ein öffentliches "Versöhnungsangebot" unterbreitet. Benko versicherte, dass Christoph Dichand Herausgeber und Chefredakteur der "Krone" bleiben könne. Themen wie der Vorabgewinn der Familie Dichand müssten aber "partnerschaftlich neu geregelt" werden, so Benko in einem Interview. Inzwischen zog die Ibiza-Affäre ins Land, die zum Abgang von Online-Chef Richard Schmitt führte. Die Affäre habe auch die "Krone" verändert, sagen Beobachter. Möglich, dass es nun zu einem Neustart mit Benko kommt.