"Wie sie alle wieder draußen herumrennen, als ob sie kein Netflix hätten", kommentierte kürzlich ein Twitter-User den Hochsommer. Tatsächlich ist der Sommer traditionell Flauten-Zeit im Fernsehen. Denn das lineare Programm nervt mit endlosen Wiederholungen, weil man sich die gute Ware lieber für den Herbst aufspart. Gut, dass es da Netflix und Amazon Prime gibt. Doch dieser Sommer könnte in der Tat der letzte sein, an dem sich das Publikum an den prall gefüllten Programm-Bibliotheken der beiden Streaming-Riesen nach Herzenslust bedienen kann. Denn die dunklen Wolken brauen sich bereits bedenklich zusammen.

Denn dem Streaming-Markt steht ein Umbruch bevor, was ziemlich kurios ist, war es doch das Streaming selbst, das die Fernsehnutzung (wohl für immer) revolutioniert hat. Doch davon hat man nur solange etwas, als man genügend hochwertiges Programm hat, das man spielen kann. Und diese Zeiten könnten in Kürze vorbei sein. Denn gleich drei Giganten haben große Pläne für das Streaming-Publikum: Apple, Disney und Warner haben alle drei angekündigt, einen jeweils eigenen Streamingdienst zu lancieren. Mit eigenen Inhalten und eigenem Profil. Und alle wollen sie vor allem Netflix ans Leder, das derzeit mit seinen mehr als 150 Millionen weltweiten Abonnenten der Branchen-Primus ist. Das hat massive Folgen für Netflix und Amazon, denn Disney und Warner haben bereits im großen Stil begonnen, ihre Inhalte von den bestehenden Plattformen abzuziehen und die TV-Lizenzen nicht mehr zu verlängern.

Bye bye Star Wars und Marvel

Und bei den Verlusten handelt es sich nicht um Kleinigkeiten, sondern eher um einen Kahlschlag: Das gesamte "Star-Wars"-vre (Disney) sowie das Marvel-Universum ist entweder bereits entfernt bzw. läuft spätestens mit Jahresende aus. Detto mit "Harry Potter" (Warner) oder beliebten Serien wie "Friends", die Netflix gegen sehr viel Geld gerade noch bis Ende 2019 verlängern konnte.

Woche für Woche verschwindet schleichend Programm aus den Bibliotheken, wie ein Blick auf die "Letzte Chance"-Rubrik zeigt. Alleine im Juli waren das auf Netflix mehr als hundert Filme und Serien, darunter die "X-Men"- und "Stirb-Langsam"-Reihe. Und Kinder, die seit August "Paw Patrol" nachweinen, können sich noch bis zum 23. August an "Mascha und der Bär" erfreuen. Eine Analysefirma ermittelte, dass mehr als die Hälfte der aktuell 50 beliebtesten Netflix-Shows anderen Sendern gehören, die in naher Zukunft ebenfalls ins Streaming-Geschäft einsteigen wollen - das ist ein echtes Bedrohungsszenario.