Am 1. September wird es 80 Jahre her sein, dass der Zweite Weltkrieg begonnen hat. Adolf Hitler erobert 1939 mit einem blutigen Einmarsch Polen. 1945 endet ein katastrophaler Krieg, der die Welt veränderte. ORF2 (ab 30. August) und ORFIII (ab 24. August) widmen diesem Unglück deshalb insgesamt zwölf dokumentarische, aber auch fiktionale TV-Produktionen. Dabei geht es dem ORF darum, Unbekanntes zu beleuchten, zu erklären und auch der Jugend einen anderen Blickwinkel auf diese desaströsen Geschehnisse zu bieten, wie Generaldirektor Alexander Wrabetz verkündet. Denn der Wissensstand sei trotz etlicher Bemühungen der letzten Jahre erschreckend niedrig. "Der Krieg war eine facettenreiche Tragödie" und das vielfältige Programm solle dem Rechnung tragen.

Auftakt für den Schwerpunkt am Samstag den 24. August bildet die zweiteilige Dokumentation "Der Polenfeldzug" von Michael Kloft. ORFIII startet zur Primetime um 20.15 Uhr mit dem ersten Teil "Der Nervenkrieg". Die Weltherrschaftsträume Hitlers und die Großmachtphantasien Japans führten zu den Schlachten von Stalingrad und Iwo Jima, zum Bombenhagel auf deutsche Städte und zu den Atomangriffen auf Hiroshima und Nagasaki. Teil 1 der Doku zeigt die letzten Tage in Frieden und die geheimen Kriegsvorbereitungen im Deutschen Reich. Hitler führt alle an der Nase herum. Er beginnt Scheinverhandlungen mit Frankreich und Großbritannien, um eine Intervention der beiden Großmächte zu verhindern und Deutschland einen Vorsprung zu verschaffen. Inzwischen handelt er mit der Sowjetunion den "Hitler-Stalin-Pakt" aus, nach dem sich die beiden Polen aufeinander aufteilen. Um der Öffentlichkeit einen Kriegsgrund vorzugaukeln, fingieren die Nazis am 31. August 1939 einen polnischen Angriff auf den Rundfunksender "Gleiwitz".

Gleich anschließend (21.05 Uhr) folgt Teil 2 "Der Überfall". Darin schildert der Film die Ereignisse und Situationen am folgenden Morgen, dem 1. September. Deutschland löst mit stundenlangem Beschuss der polnischen Stellung den Zweiten Weltkrieg aus. Gleichzeitig rücken deutsche Panzer- und Lastwagen-Kolonnen über die Grenze aus und auf polnischem Gebiet landen die ersten Bomben. 36 Tage später endet der "Polenfeldzug" am 6. Oktober 1939, nachdem die letzten polnischen Gruppen kapitulieren. Doch Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg nach dem Überfall auf Polen.

Weiter geht es an diesem Samstagabend mit einer ebenso kritischen Dokumentation, die sich einem höchst schwierigen Thema widmet: der Kriegsschuld. In Claudia und Helmut Bergs Dokumentation "Sie nannten uns Helden" (21.55 Uhr, ORFIII) erzählen Veteranen offen und selbstkritisch, wie sie einst gefeiert wurden und welche Fehleinschätzungen und Verstrickungen sie eingingen. Vom NS-Staat wurden sie für ihre Taten gefeiert. Ihr Mut auf dem Schlachtfeld oder ihre Mitgliedschaft in besonders angesehene Waffengattungen und Eliteeinheiten machte sie zu Helden des "Dritten Reiches". Doch ihre anfängliche Euphorie über die leicht errungenen Siege der Wehrmacht wich, angesichts des Kriegsgrauens, herber Ernüchterung. Nach Luftkämpfen und Panzerschlachten in Russland, der Ukraine und Nordafrika erlebten die damaligen Helden in aussichtslosen Rückzugsgefechten an allen Fronten den sinnlosen Tod von Millionen und den Untergang der ihnen damals vertrauten Welt.

Ein besonderes Highlight stellt der fiktionale Film "Vor der Morgenröte" dar. Dieser startet zwar erst am Sonntag, den 15. September um 23.05 Uhr (ORF2), zeigt mit Josef Hader in der Rolle des Autors Stefan Zweig aber eine erwähnenswerte Produktion. Der Film erzählt aus dem Leben des österreichischen Schriftstellers im Exil. Auf dem Höhepunkt seines weltweiten Ruhms wird er von den Nazis in die Emigration getrieben und verzweifelt angesichts des Wissens um den Untergang Europas, den er schon früh voraussieht. Maria Schrader und Jan Schomburg bringen eine beklemmend aktuell wirkende Geschichte vom Verlieren der alten und der Suche nach einer neuen Heimat. Neben Hader sind auch Barbara Sukowa (Friderike Zweig) und Aenne Schwarz (Lotte Zweig) zu sehen.