Für politisch informierte Menschen war in den späten 1930er Jahren längst klar, dass das nationalsozialistisch geführte Deutschland aggressiv eine Expansionspolitik verfolgte: 1935 das Saargebiet, 1938 zuerst Österreich und dann die Sudetengebiete der Tschechoslowakei sowie Teile der Slowakei, schließlich im März 1939 der Einmarsch in Tschechien und die Unterjochung der Rest-Slowakei als Satellitenstaat.

Mit den letztgenannten Besetzungen war Adolf Hitler deutlich vertragsbrüchig geworden. Seine großdeutsche Zielvorstellung auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechtes, die im Münchner Abkommen mit den Alliierten ihm die Sudetengebiete zugestanden hatten, waren damit weit überschritten. Über die Verträge von Versailles hatte sich das NS-Regime längst hinweggesetzt und Deutschland zu einem militärisch hochgerüsteten Staat entwickelt.

Die nächste nazideutsche Expansionspolitik betraf Polen. Polnische Übergriffe auf Angehörige der deutschen Minderheit und die Frage der Zugehörigkeit der Freien Stadt Danzig dienten als Vorwand für aggressive, zunächst nur propagandistische Angriffe, die häufig nicht auf Fakten beruhten. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Regime längst sämtliche Medien untertan gemacht.

Die Köpfe der NS-Propagandamaschinerie: Adolf Hitler, Hermann Göring und Joseph Goebbels. - © afp
Die Köpfe der NS-Propagandamaschinerie: Adolf Hitler, Hermann Göring und Joseph Goebbels. - © afp

Das noch junge Medium Radio war mit billigen Empfangsgeräten zu einem intensiv genutzten Propagandakanal entwickelt worden, der mit verpflichtendem Hören von übertragenen Führer-Reden im Kollektiv etwa in Betrieben eingesetzt wurde.

Die Presse wurde unter anderem durch Zwangsverkäufe Stück für Stück in Parteibesitz sowie ins Eigentum politisch dem NS-Regime genehmer Eigentümer gebracht und zudem auf der Mitarbeiterebene genau kontrolliert. Besonders erfolgreiche Zeitungen erschienen damals täglich in drei Ausgaben, also morgens, mittags und abends. Bei besonderen Ereignissen warfen sie zusätzlich Extra- oder Sonderausgaben auf den Markt.

Fritz Hausjell ist Kommunikationswissenschafter und beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit Medien während der NS-Herrschaft. Er ist Stellvertetender Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. - © Miel Satrapa
Fritz Hausjell ist Kommunikationswissenschafter und beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit Medien während der NS-Herrschaft. Er ist Stellvertetender Vorstand des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. - © Miel Satrapa

Als drittes wichtiges Propagandainstrument wurde der Tonfilm genutzt. Neben expliziten Propagandafilmen, die oft als Dokumentationen getarnt waren, spielte die politisch durchorchestrierte "Wochenschau", die alsbald verpflichtend vor jedem Film im Kino zu spielen war, eine gewichtige Rolle. Daneben wurde kein damals schon existierendes Werbemedium ausgelassen, um für die politischen Ziele des NS-Regimes Werbung zu machen.

Regieanweisungen an ausgewählte "Schriftleiter"

Am 25. August 1939 notierte ein deutscher Journalist in der "Reichspressekonferenz" in Berlin, in der vor vertrauenswürdigen Schriftleitern (wie das NS-Regime die von ihm angeleiteten Hersteller periodischer propagandistischer Schriftstücke nannte) die Berichterstattungsdirektiven ausgegeben wurden, Folgendes: "Die Morgenblätter sollen nicht um eine Tonart schärfer, bestimmt aber nicht irgendwie schwächer herauskommen. Es muss etwa die Mittellinie zwischen Extrablatt und normaler Ausgabe eingehalten werden. Es ist noch nicht eine Minute vor zwölf. Die Unerträglichkeit des Zustandes nach wie vor feststellen, auf keinen Fall irgendwie eine Schwächung spiegeln. Es muss ein Rest Pulver trocken bleiben, der noch nicht gleich in die Luft gehen soll. Der Atem muss ein wenig ruhiger gehen und angehalten werden."