Die Kinder der Nullerjahre sind schon mit dem Begriff überfordert? Was für eine Theke? Und warum soll man wo hingehen, wo doch alles aus dem Netz kommt? Würde man also den Zustand der letzten verbliebenen Videotheken mit vormals durchaus gängigen Objekten aus ihren Regalen beschreiben, würde man irgendwo zwischen "Der letzte Mohikaner" und "Stirb langsam" landen. Dem einen oder anderen makaber Gesinnten würde auch Sergio Leones "Spiel mir das Lied vom Tod" einfallen. Komplett mit üppigen Ballen von Steppenrollern, die der Wind durch die verlassene High Street weht. High Noon, aber keiner mehr da, der noch den 45er Colt zieht.

1990 soll es in Wien noch rund tausend Videotheken gegeben haben. Diese waren in der Regel Nahversorger, die ein paar Häuserblocks mit cineastisch mehr oder weniger wertvollem Material versorgten. 2010 waren es dann noch knapp 120. Heute spuckt die Suchmaschine noch zehn solcher Geschäfte aus. Sie leben davon, dass sich vor allem in der älteren Generation das Thema Netflix und Co. noch nicht durchgesetzt hat. Und wenn einmal doch ein Junger das Geschäft betritt, ist es meist ein Filmwissenschafts-Student der irgendeinen obskuren alten Film für ein Proseminar sucht - raus mit den Airpods und den Inhaber gefragt: Denn die Zeiten, als man sich noch Angestellte leisten konnte, sind ungefähr so lange vorbei wie "Zurück in die Zukunft III".

Angefangen hat der Niedergang einer einst stolzen Branche ungefähr dann, als Peter Jacksons "Herr der Ringe" in den Kinos anlief. Das war 2001 und das Internet hatte sich vom obskuren Nerd-Thema der Neunziger zum Massenphänomen der Nuller gewandelt. Als Erste dran war bekanntlich die Musikindustrie, als dank MP3-Format in kürzester Zeit massive Musikdatenbanken den Besitzer wechselten. Ein Trend, der ganze Branchen ins Wanken brachte und etwas später auch die Filmindustrie zu massiver Gegenwehr und Antipiraterie-Maßnahmen zwang. Auch Musterprozesse und kaum verhaltene Drohungen gegen die Konsumenten (Gefängnis! Folter! Teer! Federn!) halfen da nur bedingt.

Das Streaming killt Verleiher

Mit den Smartphones und immer besser werdendem Internet sowie dem Auftauchen der legalen Streaming-Dienste war es dann vorbei. Die Industrie schafft es zwar, ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, aber die klassischen Distributionswege, wie die Verleiher, hatten das Nachsehen. Ein weiteres Problem: Dank Streaming brachen auch die Umsätze mit Abspielgeräten wie DVD- oder Bluray-Playern ein. Und wer kein Abspielgerät mehr hat, wird sich auch nichts mehr ausborgen.