In jungen Jahren schickte Karl Kraus sogenannte Grubenhunde an die Presse, um die "Journaille" ihrer Unzulänglichkeit zu enttarnen. Und manch einer setzt schon zum wissenden Nicken an: "Ja, ja, und heute sind die Fake News politische Praxis." Ganz unrecht hätte man damit freilich nicht, ganz recht aber auch nicht. Denn bereits bei der Propaganda des Ersten Weltkriegs spielten Falschmeldungen und Gräuelpropaganda eine Rolle wie nie zuvor. Die Berichterstattung in die eine oder andere Richtung zu lenken, haben also nicht erst Spin-Doktoren wie Brexit-Stratege Dominic Cummings erfunden. Doch beweisen ihre Auswirkungen damals wie heute, wie lang und ausdauernd der Arm gezielter Propaganda ist, wenn er sich erst einmal in den Köpfen festgegriffen hat und dort ein Gegenbild zur Realität einflicht.

Dieses Auseinanderklaffen von Inszenierung und Wirklichkeit zeigt sich heute etwa in Nordkorea. Die Propaganda hat einen pseudoreligiösen Personenkult um den Klan der Kims geschaffen; sie sind unantastbar, unfehlbar und gewissermaßen unsterblich. Denn der erste Präsident Nordkoreas, Kim Il-sung, ist dies nach wie vor, obwohl er 1994 verstorben ist und längst sein Enkel Kim Jong-un am Hebel sitzt. Er ist der "Ewige Präsident" des Landes - und offenbar größer als der Tod. Um alle drei Generationen von Großvater bis Enkel ranken sich teilweise obskure Mythen: Kim Jong-il konnte angeblich schon im Alter von drei Wochen laufen und bei seinem ersten Golfspiel legte er gleich einmal elf Hole-in-Ones auf den Rasen. Auch sein Sohn und aktueller Machthaber Kim Jong-un steht ihm in nichts nach. Mit neun Jahren soll er eine Segelregatta gewonnen und vor ein paar Jahren den höchsten Berg des Landes bestiegen haben - in Wintermantel und Lederslippern.

Das Narrativ ist überdeutlich: Die Kims sind Menschen, die schlichtweg alles können, sowohl körperlich als auch geistig haushoch überlegen sind und sich in ihrer Göttlichkeit dennoch dazu herablassen, väterlich für ihr Volk zu sorgen. Die Realität sieht freilich anders aus: "Nordkorea ist vielleicht der totalitärste Staat der Geschichte", schreibt Christoph Neidhart in der Süddeutschen Zeitung. Denunziation, Folter, politische Verfolgung bis zur Deportation ganzer Familien in Straflager, öffentliche Hinrichtungen - die Liste der Menschenrechtsverletzungen ist lang und gespickt mit zahlreichen Dunkelziffern. Denn als eines der restriktivsten totalitären Regime der heutigen Zeit ist man natürlich sehr darauf bedacht, dass nur nach außen dringt, was draußen auch gehört werden soll. Daher tarnt sich Journalist Alexis Breton in der Doku "Undercover in Nordkorea" (Sa., 18,30, ZDFinfo) auch als Tourist und schafft es trotz behördlicher Eskorte, unbemerkt zu filmen. Damit gibt er seltene Einblicke in das Leben in einem abgeschotteten Land, in dem die Propaganda die Realität verdrängt, und in einer Gesellschaft, in der die dauernde Kontrolle regiert.

Mit medialer Manipulation mahlten vor allem auch die Mühlen der Propagandamaschinerie des Zweiten Weltkriegs. Nicht umsonst ging er als großer Medienkrieg in die Geschichte ein. Die nationalsozialistische Propaganda machte sich die große Leinwand zunutze - das NS-Kino wollte sogar Hollywood in seine Schranken weisen. Etwa 1000 Spielfilme produzierte Deutschland zwischen 1933 und 1945, darunter alle Genres von Komödien und Musikfilmen bis zu den heute aufgrund von kriegsverherrlichenden, rassistischen oder volksverhetzenden Inhalten nicht zum Vertrieb freigegebenen Propagandafilmen. Die Dokumentation "Hitlers Hollywood - Das deutsche Kino im Zeitalter der Propaganda 1933-1945" (So., 23.25, Arte) nimmt die deutsche Traumfabrik genauer ins Visier und zeichnet ein vielschichtiges Bild von Tätern und Opfern, von Ja-Sagern und Verweigerern, von freiwilligen und unfreiwilligen Ikonen des NS-Kinos.

Um das Volk vom Eintritt in den Zweiten Weltkrieg zu überzeugen, machte schließlich auch die originale Traumfabrik höchst selbst mit allen cineastischen und personellen Mitteln mobil. In "Hollywoods Zweiter Weltkrieg" (So., 21.55, Arte) geht es daher nicht nur um US-amerikanische Propagandafilme und Armeeverherrlichung. Die Doku zeigt auch die Geschichte namhafter Regisseure wie Billy Wilder.