Berlin. Als Smartphone-Hersteller hat man es derzeit nicht leicht. Immer teurere Endgeräte, die immer mehr Leistung bieten, die aber kaum jemand ausnutzt, und deren größte Innovation die eingebauten Kameras sind, verkaufen sich einfach nicht mehr so gut wie früher. Die Konsumenten scheinen reifer geworden und tätigen nicht mehr jedes Jahr eine Neuanschaffung in diesem Bereich. Was also tun?

Die Antworten auf diese Frage wurden auf der diesjährigen IFA in Berlin gegeben. Die große Messe für Elektronik, die am Mittwoch zu Ende geht, brachte einige erstaunliche Erkenntnisse. Die Wesentlichste - es geht zurück zu den Anfängen: Smartphones können auf die doppelte Größe aufgefaltet werden (Samsung Galaxy Fold und Huawei Mate X), diesmal hoffentlich ohne technische Probleme, erhalten eine Tastatur zusätzlich zum berührungsempfindlichen Display (FX Tec Pro 1) oder werden wieder zum Aufklappen sein (Nokia 2720 Flip). Vor allem die Wiederkehr des Klapphandys, ziemlich genau 15 Jahre nach dem großen Nokia-Desaster, sorgte für einige Diskussionen in Berlin.

Die Lücken schließen

Falthandys: Nicht Handy, nicht Tablet. - © afp/Tobias Schwarz
Falthandys: Nicht Handy, nicht Tablet. - © afp/Tobias Schwarz

Zwar hat das aktuelle Modell natürlich wenig mit den frühen "Nokia-Bananen" zu tun, es ist per Definition ein sogenanntes "Feature Phone", das eine Lücke zwischen simplem Telefon und vollwertigem Smartphone schließen soll. Wird aber bereits um 99 Euro mit einigen vorinstallierten Programmen, etwa WhatsApp, Facebook und dem Google Assistant erhältlich sein. Die Faltsmartphones starten dafür erst bei rund 2000 Euro und sollen die Brücke zwischen Handy und Tablet füllen. Der Retro-Trend hat somit zwei große Zielrichtungen, einerseits noch teurer werden zu können und andererseits auch im Billigsegment zu punkten. Auch eine zusätzliche, vollwertige Tastatur, die an der Unterseite des Handys angebracht ist und sich für die Verwendung ausklappen lässt, ist eine Renaissance einer bekannten und beliebten Modellserie aus den Anfängen der 2000er Jahre. Unter Analysten herrscht deshalb auch Rätselraten, wie sich Apple in diesem Wettlauf mit seinen neuen iPhones positionieren will und wird.

Wie jedes Jahr, so auch heuer, stellt sich auf der Internationalen Funkausstellung die Frage nach dem größten Fernseher. Und ebenso wie bei den Smartphones sehen sich die Hersteller einem gesättigten Markt und einer bewussteren Käuferschicht gegenüber, weshalb neue Hypes, wie 8K (höhere Bildschirmauflösung), HDR (größerer Dynamik-Umfang und damit mehr Helligkeitsunterschied zwischen tiefstem Schwarz und hellsten Weiß) oder Bilddiagonalen von zwei Metern, nicht mehr ausreichen. Daher muss nun noch stärker der Designfokus geschärft werden. Durchsichtige Displays, die an die Wand gestellt werden und die Herzen der Innenausstatter höherschlagen lassen sollen (Panasonic), oder aber Displays, die sich bei Nichtbenutzung einfach im Lautsprechersockel zusammenrollen (LG OLED R9), setzen neue Maßstäbe. Samsung stellt mit "The Wall" gleich einmal eine Bilddiagonale von 5,5 Metern vor, die damit nicht mehr nur Fernseher, sondern gleich eine zusätzliche Wand in der Wohnung sein soll. Die Frage nach dem Größten dürfte in diesem Jahr im Übrigen an Sony gehen, das mit dem Sony ZG9 eine Bilddiagonale von fast 2,50 Metern (98 Zoll) bei einem 8K-Fernseher ermöglicht.

Die Zukunft des Kochens

Nicht nur bei Fernsehern, sondern bei so manchen "intelligenten" Haushaltsgeräten setzt sich auch der Trend der Sprachsteuerung weiter fort. Wer schon immer mit seinem Kühlschrank oder der Waschmaschine reden wollte, wird dies in absehbarer Zeit ebenfalls können. Böse Zungen behaupten schon jetzt, dass die Konversation mit dem Kühlschrank durchaus sinnvoller sein wird als mit so manchen menschlichen Zeitgenossen, wissenschaftliche Untersuchung dazu, stehen aber noch aus. Neue Generationen von Öfen sollen das gleichzeitige Kochen und Backen ermöglichen und dabei auch sicherstellen, dass sich der Fischgeruch nicht im Guglhupf wiederfindet. Miele präsentierte den Dialoggarer "DO 6860", der aktuell knapp 8000 Euro kostet und im Prinzip eine Weiterentwicklung der Mikrowelle darstellt. Das Essen wird allerdings mittels elektromagnetischer Wellen erhitzt. Den Entwicklern ist es dabei gelungen, die Frequenz der Wellen so zu variieren, dass sie genau dosiert Strahlungsenergie im Inneren des Garguts liefern. Auch hier können somit unterschiedliche Produktgruppen gleichzeitig gekocht werden. Der Meisterkoch in uns wird durch die Technik wachgeküsst werden.