Zagreb. In Kroatien sorgt die Festnahme eines Journalisten des Nachrichtenportals "Index", dem Ordnungsverstöße wegen zwei Tweets angelastet werden, für Aufregung. Gordan Duhacek wurde am Montag festgenommen, weil er mit seinen Tweets die Polizei sowie die Gefühle der Bürger beleidigt haben soll, berichtete kroatische Medien.

Der kroatische Journalistenverband (HND) kritisierte das Vorgehen der Polizei als "Einschüchterung" von Journalisten und bezeichnete deren Handlungen als "beispiellos". Die Nichtregierungsorganisation Gong, der sich mit politischen Prozessen beschäftigt, kritisierte die Festnahme als "inakzeptablen Druck auf Journalisten" und "Fortführung vom Einreißen der Medienfreiheit". "Unter der Regierung von Premier Andrej Plenkovic, die sich auf den EU-Ratsvorsitz vorbereitet, kommt es zu Situationen, die zu repressiven Regimen gehören", kritisierte Gong. Auch liberale und linksgerichtete Oppositionspolitiker zeigten sich kritisch.

Die Polizei nahm Duhacek am gestrigen Montag auf dem Zagreber Flughafen fest, als er auf dem Weg zu einer Dienstreise nach Deutschland war. Er wurde dem Gericht für Ordnungswidrigkeiten vorgeführt, das ihn laut Medien für einen Tweet aus dem Vorjahr mit einer Geldstrafe von rund 100 Euro belegte. Darin schrieb der Journalist über angebliche Polizeigewalt und verwendete dabei den Akronym ACAB (All cops are bastards/Alle Polizisten sind Bastarde).

Kein angemeldeter Wohnsitz in Kroatien

Für einen weiteren Tweet, in dem er im August ein altes patriotisches Lied satirisch umgeschrieben hat, um auf die Verschmutzung der Plitvicer Seen und der Adria mit Fäkalien aufmerksam zu machen, wird das Urteil in den nächsten Tagen erwartet. Es wird ihm vorgeworfen, damit die Gefühle der Bürger verletzt zu haben.

Innenminister Davor Bozinovic erklärte unterdessen, dass Duhacek nicht wegen seiner Tweets festgenommen worden sei, sondern deswegen, weil er der Einladung der Polizei zum Gespräch nicht nachgekommen sei. Er sei dem Gericht auch deswegen vorgeführt worden, weil er keinen angemeldeten Wohnsitz in Kroatien habe, hieß es.

Der Journalist, der noch am selben Tag freigelassen wurde, erklärte hingegen, dass er sich bei der Zagreber Polizei bereits am Sonntag gemeldet und seine Pläne für die Auslandsreise erklärt habe. Nach seinen Worten sei ihm zugesichert worden, dass er diese vornehmen könne und sich nach der Rückkehr wieder melden solle. Dennoch wurde er am nächsten Tag festgenommen. (apa)