Seit fast 20 Jahren gibt es "Die Barbara Karlich Show" im Nachmittagsprogramm des ORF. Sie ist eine der letzten ihrer Art: Ende der Neunzigerjahre talkten sich Hans Meiser, Vera Int Veen, Ilona Christen und Johannes B. Kerner quer durch alle Privatsender. Der ORF zog nach einigem Zögern nach und engagierte die burgenländische Radiomoderatorin Barbara Karlich. Auch heute, fast zwanzig Jahre später, ist die 50-Jährige noch immer ein Quotenbringer. Am 23. Oktober läuft die Jubiläumssendung "20 Jahre Barbara Karlich Show" im Hauptabend. Im Vorfeld haben wir sie zu einem Interview-Experiment gebeten. Wir stellen der Talk-Queen jene Fragen, die sie sonst ihrem Publikum stellt. Ein Interview ausschließlich mit Sendungstiteln der Barbara-Karlich-Show als Fragen. Karlich witterte eine Herausforderung und sagte spontan zu. Ein Gespräch über Scheitern, Macht, Beziehungen, Erfolg und liebenswerte Priester.

"Wiener Zeitung": "Ich bin froh, nicht mehr jung zu sein."

Barbara Karlich: Tja, jedes Ding hat zwei Seiten, ich versuche, die andere zu sehen. Ich gefalle mir tatsächlich jetzt besser als mit 20. Aber wie gerne würde ich die Achtzigerjahre noch mal erleben! Das war so eine coole und schöne Zeit. Alles: die Mode, die Musik, die Stimmung. Wir waren alle so jung, lauter ungeschliffene, verrückte Diamanten, alles war so unbelastet. Von den Erfahrungen her bin ich aber froh, da zu sein, wo ich gerade bin. Aufhalten kann man das Altern sowieso nicht - und die Alternative ist ja auch nicht gerade erstrebenswert.

"Ich liebe und bereue meine Kinder."

Da hat es mal eine israelische Studie gegeben, in der 200 Mütter befragt wurden, ob sie ihre Kinder bereuen - Ergebnis: Die Mütter gaben an, ihre Kinder zu lieben und zu bereuen. Irgendwie kann ich das verstehen. Ich würde meiner Tochter Gloria mein Herz geben, für sie sterben, ich liebe sie unendlich und möchte sie keinen Tag missen! Mit dem Wissen von heute würde ich mir jedoch zweimal überlegen, ein Kind zu bekommen. Warum? Weil ich nicht gerne "Single Mum" bin. Es ist sehr anstrengend, das Gros der Entscheidungen übernehmen zu müssen, der Druck in der Schule ist immens, die Eltern stehen zueinander in Konkurrenz, wenn man den Helikopterwahnsinn nicht mitmacht, ist man raus und wir stehen - Halleluja - vor einem neuen Abschnitt: der Pubertät.

"Ohne Mann wäre mir einiges erspart geblieben."

Über mich wurde schon privat so viel Kurioses geschrieben, daher rede ich nicht mehr über mein Liebesleben, nur so viel: Ich möchte keine meiner Erfahrung missen, weil ich sonst sehr wahrscheinlich nicht da wäre, wo ich heute bin, und könnte mich sicher auch nicht so gut in meine Gäste hineinversetzen. Die haben ja schließlich ähnliche Dinge erlebt.