Die Schatten werden länger, die Blätter sterben einen farbenfrohen Tod und die Schornsteine hauchen vereinzelt die ersten Rauchschwaden in den Himmel. Der Herbst ist da. Endgültig. Lange genug hat der Sommer versucht, sich ihm in den Weg zu stellen. Und ob golden oder nebelig, heimelig oder trist - markante Gesichtszüge hat er jedenfalls, der Vorbote der kalten Jahreszeit. "Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben", beschreibt Rainer Maria Rilke seinen klassischen "Herbsttag" - und hat offenbar nie ein Sturmfest besucht und auf einer berstend vollen Heurigenbank unfreiwillig gruppengekuschelt. In Österreich erlebt der Neue Wein im Herbst definitiv seinen Frühling. Und nicht nur er. Kommen die ersten Laubhaufen, brutzeln die Maroni in den Tonnen, wird der Kürbis zur Allround-Zutat auf jeder Speisekarte. Herbstzeit ist Erntezeit.

Auch in etwas kargeren Gefilden: Obwohl es im oberösterreichischen Mühlviertel kaum fruchtbaren Boden gibt, spielt die Landwirtschaft hier eine wesentliche Rolle. Großbetriebe und Wirtschaftszentren sucht man zwischen Passau und Linz allerdings vergebens. In diesem stillen Landstrich haben sich dafür innovative Biobetriebe mit besonderen Produkten eine Nische geschaffen, wie die Dokumentation "Im Bio-Rhythmus - Das bäuerliche Mühlviertel" (Sa., 16.55, ORFIII) zeigt. Auch die Doku-Reihe "Erlebnis Österreich" besucht in ihrer Folge "Vielfalt und Tradition - Die Bioregion Mühlviertel" (Sa., 16.30, ORFIII) einige dieser Höfe: Schon im Hochsommer wird um die älteste Brauerei des Landes in Hofstetten etwa die Braugerste gedroschen. Familie Krammer braut hier seit fünf Generationen, und das nicht nur traditionell, sondern mit ihrem Granitbier auch gerne ausgefallen. Der Biohopfen dafür kommt aus dem Nachbarort und ist für sein einzigartiges Aroma weltweit begehrt. In Kaltenberg brennt Familie Thauerböck mit einer uralten regionalen Getreidesorte Mühlviertler Bio-Whisky und in Waldburg bauen Franz und Robert Flögel statt Getreide verschiedene Kräutersorten an.

Dass die Ernte üppig ausfällt, ist für die Landwirte aber alles andere selbstverständlich. Immerhin könnte ein Kälteeinbruch im falschen Moment die Arbeit eines ganzen Jahres zunichtemachen. Nicht umsonst versuchen unzählige Bauernregeln, das Wetter zu prophezeien. Sind die Bedingungen etwa zu Maria Himmelfahrt im August günstig, sollen sie das auch wenige Wochen später sein: "Wie das Wetter am Himmelfahrtstag, so der ganze Herbst sein mag." Tröpfelt es allerdings Anfang September, stehen die Zeichen schlecht: "Bringt St. Gorgon Regen, folgt ein Herbst mit bösen Wegen." Spielt das Wetter mit und die Ernte fällt gut aus, rollen im September und Oktober prachtvolle Prozessionen über das ganze Land hinweg, kunstvoll gestaltete Kornkronen schmücken die Wägen und zahlreiche eigenproduzierte Schmankerln werden nicht nur zur Schau gestellt und gesegnet, sondern auch verkostet. Man sagt Dank, oder genauer: Erntedank. Die Dokumentation "Vergelt’s Gott - Erntedank im Gebirge und zu Erden" (Sa., 18.30, ORFIII) geht diesem herbstlichen Brauchtum mit christlichen Wurzeln in ganz Österreich auf die Spur. Dabei besucht man etwa die Filzmooser Almbauern bei der Schafschur und dem Almabtrieb, der das Weidevieh nach einer erfolgreichen Saison feierlich ins Tal holt. Im Salzburger Pongau wohnt man einem Freiluftgottesdienst bei, der von gellenden Schnalzgeräuschen begleitet wird. Das älteste Erntedankfest Österreichs feiert man allerdings im niederösterreichischen Perchtoldsdorf, wenn die Weinhüter durch die Straßen ziehen.

Fällt die Ernte aus, hatte das in der Geschichte immer wieder verheerende Folgen, wie auch die Doku "Winter des Schreckens" (So., 20.15, Arte) zeigt. Jamestown wurde 1607 als erste dauerhafte englische Siedlung in der Neuen Welt gegründet. Das Land ist zu sumpfig und für den Ackerbau ungeeignet, Wild gibt es auch nicht genug für alle und die Beziehungen zu den Ureinwohnern sind verhärtet. Nur Schiffsflotten aus England versorgen die Kolonie mit Ausrüstung und Vorräten. 1609 folgt ein katastrophaler Hungerwinter, der fast alle noch übrigen Siedler dahinrafft. 400 Jahre später findet ein Archäologenteam die Überreste eines 14-jährigen Mädchens und kommt einem historischen Kriminalfall auf die Spur, der zeigt, wie weit Hunger und Verzweiflung die Siedler getrieben haben.