Das Problem im digitalen Leben ist ja oft, dass man auf den ersten Blick nicht gleich erkennt, was gefährlich ist und was nicht - gerade für Kinder. So manches unscheinbare YouTube-Video entpuppte sich bei näherer Betrachtung als Gefahrenquelle. Die Diskussionen um Gewalt in Computerspielen ist eine langjährige und Handyspiele, die gratis heruntergeladen werden können, verleiten zum Geldausgeben. So weit, so bekannt.

Wer denkt, damit wären schon die größten Stolpersteine aufgezeigt, der irrt. Vor ein paar Tagen ließ Jan Böhmermann in seiner Show mit einer neuen Facette aufhorchen. Simuliertes Glücksspiel für Kinder, bunt und schrill mit lieben kleinen Tieren, die man pflegen und hüten muss, im Fernsehen beworben von Prominenten und hergestellt von einem Unternehmen, das Gelder aus dem Umfeld von Glücksspielkonzernen erhielt.

Nichts Neues, aber Gefährliches

Das Spiel "Coin Master" bietet im ersten Moment nicht gerade viel Neues, auch hier kann man mehr oder weniger schnell echtes Geld für sinnlose virtuelle Dinge ausgeben. Doch dies ist nur ein Aspekt. Denn Gegenstände können auch am einarmigen Banditen erspielt werden und wer am Ende alle Level durchgespielt hat, der landet im gesegneten Land - der Spielhalle. Simuliertes Glücksspiel mit einem klaren Fokus auf Kinder und Jugendliche. Bislang noch ohne gesetzliche Regelungen, doch dies könnte sich bald ändern.

"Ich werde ja oft gefragt, Dieter, wie beweise ich mein Talent beim ,Coin Master‘. Man braucht natürlich auch ein bisschen Glück. Am wichtigsten ist, ruhig zu bleiben, wenn ein Dorf angegriffen wird", lacht und spricht und ärgert sich Dieter Bohlen in einem Werbespot für "Coin Master". Der bekannte Moderator ist gerade bei der jüngeren Zielgruppe beliebt. Ebenso wie YouTube-Star Bibi, die ebenfalls für das Handyspiel wirbt. In der Werbung werden die Dörfer der Prominenten angegriffen, diese ärgern sich und das macht Spaß. Und auch Pietro Lombardi, etwas älteren Semestern eher kein Begriff, aber der Jugend durch seinen Sieg in der achten Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" doch gut bekannt, darf ein Lied auf das Spiel in einem Werbespot trällern.

Doch wie heißt es in der offiziellen Spielbeschreibung: "Hast du das Zeug zum nächsten Coin Master? Reise durch die Zeit, entdecke magische Ländereien und werde zum größten Piraten, Hippie, König, Krieger oder WIKINGER von allen! Dreh das Glücksrad! Dreh das Rad und erhalte mehr Angriffszeit, Beute, Schilde oder Überfälle. Erbeute Münzen und Goldsäcke, um immer stärkere Dörfer zu bauen und im Level aufzusteigen." Das Drehen am Glücksrad und die Simulation eines einarmigen Banditen - auch wenn keine realen Geldgewinne erzielt werden können - ist nach Ansicht von Jugendschützern als Einstiegsdroge in die Welt des Glücksspiels zu werten. Im Sommer vermeldeten deutsche Medien, dass die Landesmedienanstalt NRW "Coin Master" überprüfen lassen werde, doch geht es dabei interessanterweise nicht um den Inhalt, sondern um die Werbung für die App. Diese dürfte sich nämlich nicht direkt an Kinder richten. Der "Spiegel" zitierte eine noch unveröffentlichte Studie der Universität Hamburg, der zufolge virtuelle Spielgeld-Casinos wie "Coin Master" zum echten Glücksspiel verführen können. Besonders gefährdet sind demnach jüngere Spieler, denn eine Umfrage unter mehr als 5000 befragten Spielern gaben 54 Prozent an, dass sie auch um virtuelles Geld spielen.