Wer kauft heute noch Bücher? Die digitale Revolution hätte die analoge Literatur doch längst überholen und kleinkriegen müssen, sollte man meinen. Aber kampflos überlässt sie ihr nicht das Feld. Wenn der Stift bekanntlich sogar mächtiger als das Schwert ist, was sind dann schon Tastatur und Bildschirm? Hitzige Diskussionen wie die aktuelle um den Literaturnobelpreis für Peter Handke beweisen einmal mehr: Die Literaturbranche ist nicht arm an kontroversen Protagonisten und Debatten. Seit Mittwoch pilgert sie zur Frankfurter Buchmesse, dem Hochamt der Bibliophilen, wenn man so will. Und wer nicht hingeht und gerade kein gutes Buch parat hat, der schaltet eben den Fernseher ein. Da kommt man der Literatur nämlich dieses Wochenende auch nicht aus.

Zu verdanken haben wir das in letzter Konsequenz Johannes Gutenberg. Er gilt als Erfinder des modernen Buchdrucks. Aber was steckt eigentlich genau hinter beweglichen Metalllettern und Druckerpresse, hinter der bahnbrechend neuen Technik, die als die wohl größte Medienrevolution in die Geschichte der Menschheit eingeht und maßgeblich zur Verbreitung der Thesen der Reformationsbewegung beitrug? Welche technischen Herausforderungen musste Gutenberg bewältigen, ehe er seine 42-zeilige Bibel überhaupt drucken konnte? Die Dokumentation "Gutenberg - Genie und Geschäftsmann" (Sa., 20.15, Arte) geht diesen Fragen auf den Grund und wirft zugleich einen facettenreichen Blick auf die historische Figur Gutenberg zwischen unerbittlichem Querdenker und ausgekochtem Geschäftsmann.

Was auch immer Gutenberg bewegte, ob künstlerische oder doch ökonomische Interessen - dass dank seiner Erfindung gut ein halbes Jahrtausend später unzählige Drucksorten tagtäglich den Markt fluten, hätte er sich wahrscheinlich so nicht träumen lassen. Die Komödie "Noch Tausend Worte" (Sa., 16.00, Puls4) wirft einen humorigen Blick auf die heutige Literaturbranche und auf einen Literaturagenten, der sich wortwörtlich um Kopf und Kragen redet. Parade-Dampfplauderer Eddie Murphy gibt den skrupellosen Jack McCall. Mit seinem Redetalent schummelt er sich durchs Leben, bis er eines Tages an den New-Age-Guru Dr. Sinja (Cliff Curtis) kommt, dessen Buch er verkaufen will, ohne es überhaupt gelesen zu haben. Mit einem Schlag ist in McCalls Garten ein Baum gewachsen, den er aus Dr. Sinjas Garten kennt. Dieser klärt ihn auf: Der Baum sei nun mit ihm verbunden und verliere für jedes Wort, das McCall von nun an spreche, ein Blatt. Wenn alle Blätter gefallen seien, würde er sterben. Das bringt den getriebenen Literaturagenten natürlich schlagartig zum Verstummen und letztlich auch zur Vernunft. Als er seine letzten Worte seiner Familie und seinem verstorbenen Vater widmet, ist allerdings das letzte Kapitel noch nicht geschrieben.

Manche Werke haben ihre Zeit, andere sind zeitlos. So etwa auch Georg Büchners Stück "Woyzeck", das sich fest in den literarischen Kanon eingeschrieben hat. Das liegt mitunter an archaischen Themen wie Verrat, Wahnsinn oder Schuld, die Büchner an seinen Protagonisten gnadenlos abarbeitet. Die Dokumentation "Wahnsinnswerke: Woyzeck" (Sa., 21.45, 3sat) nimmt Büchners Dramenfragment genau unter die Lupe, vergleicht Inszenierungen der vergangenen Jahre und nähert sich dem Stoff aus unterschiedlichen Perspektiven. Zu Wort kommen Schauspielerin Maren Eggert, die Punkband Donots oder Regisseur Ulrich Rasche.

Nahrung für den Geist

Ein gutes Buch ist aber nicht nur Nahrung für den Geist, sondern ganz pragmatisch auch gutes Mittel gegen Schlaflosigkeit oder üble Morgenlaune. Nachtschwärmer und Frühaufsteher können daher mit der Dokumentation "Das sinnliche Buch" (So., 5.05, Arte) in aller Frühe in den Sonntag starten oder den ausgedehnten Samstagabend ausklingen lassen. Die Dokumentation widmet sich dem Buch jedoch nicht inhaltlich, sondern von bibliophiler Seite. Im Fokus steht die Buchgestaltung selbst, die von Typografie und Illustration bis zur Cover-Gestaltung regelrecht eine ganz eigene Kunstform darstellt. Denn obwohl man ein Buch natürlich nicht allein nach seinem Einband beurteilen sollte, spielt seine haptische Dimension doch eine wesentliche Rolle. Letztlich ist es wahrscheinlich gerade sie, mit der sich das Buch über die digitale Revolution hinwegsetzt.